
"Love that´s fresh and still unspoiled/ Love that´s only slightly soiled/ Love for sale." - E. Fitzgerald
Man kennt das ja: Da trifft man unvermittelt auf das Stöffchen seines Lebens, aber ein vorsichtiges Blinzeln Richtung Preisschild lässt sämtliche spontanen Visionen einer dramatischen Umsetzung verpuffen. Für die Seductress-Korsage darf man einmal mit stolzem Lächeln im Gesicht den Stoffballen zum Zuschneidetisch tragen - bei einem Oberstoff-Bedarf von nur 30 cm liegt das im Bereich des Vertretbaren.
Sexy Mehrzweckaccessoire a la Moulin Rouge mit Schnürung im Rücken und geschwungener Unterkante. Zum Beispiel in Lack oder Lederimitat, als Gürtel, statt des Korsetts zum Kimono oder mit Schlaufen für Strapse als Unterwäsche. Für Taillenreduktion nicht geeignet, da keine Korsettstäbe, sondern nur Versteifungsband verwendet wird, das leicht knicken kann.
Schnitt für folgende Maße:
ganz zugeschnürt:
- Unterweite (= obere Kante): 62 cm
- Taille: 60 cm
- untere Kante: 66 cm
maximal weit geschnürt:
- Unterweite: 78 cm
- Taille: 76 cm
- untere Kante: 82 cm
vordere Länge: 23 cm; hintere Länge: 19 cm
Man braucht:
- 30 cm unelastischen Oberstoff (1,40 m breit), z.B. ein Reststück
- 30 cm unelastischen Futterstoff (1,40 m breit); kostet: ca. 9 Euro/m
- 2,20 m Mieder-Versteifungsband; kostet: 1,15 Euro/m
- 27 x 19 cm mittelstarke Vlieseline; wird wohl so bei etwa einem Euro liegen
- 1,50 m Satin-Schrägband; kostet: 1,05 Euro/m
- ca. 10 Ösen
- ca. 2,20 m Kordel oder Satinband für die Schnürung
Vorbereitung:
Übertrage das etwas kryptisch geratene Schnittmuster auf Schnittmusterpapier (Ecken in den senkrechten Kanten leicht abrunden) und von da aus auf Stoff und Futterstoff. Seitlich gibt man bei jedem Teil 1,5 cm Nahtzugabe, oben und unten keine. Die Lasche (19 x 20 cm) bekommt an jeder Kante 1 cm Nahtzugabe. Teil 1 je einmal, ebenso die Lasche, Teile 2 bis 6 je einmal wie abgebildet und einmal spiegelverkehrt in Ober- und Futterstoff zuschneiden. Jetzt hast Du zwölf Teile in Oberstoff und zwölf in Futterstoff. Kennzeichne Dir jedes Korsagen-Segment mit Nummer und der Angabe, welche Kante nach vorn und welche nach hinten zeigt. Dann schneidest Du von der Vlieseline zwei Streifen ab, die je 3,5 cm breit und 19 cm lang sind. Damit ist der komplizierteste Teil schon erledigt!
Zusammennähen:
Lege die zwei Stücke für die Lasche beiseite. Zuerst nähst Du alle Futterstoff-Segmente zusammen, beginnend von der Mitte. Die Kennzeichnung der einzelnen Teile hilft Dir, die Teile nicht zu verwechseln oder falsch herum anzunähen. An den Schmalseiten (also hinten, wo später die Schnürung hinkommt) bügelst Du die beiden Streifen Vlieseline von links auf den Futterstoff: An den oberen und unteren Kanten liegt die 3,5 cm breite Kante an, zum Rand hin lässt Du wieder 1,5 cm Nahtzugabe frei. Achtung: Zum Aufbügeln ein Baumwolltuch über die Vlieseline legen!
Danach nähst Du die Oberstoff-Segmente zusammen. Jetzt bügelst Du bei beiden Teilen die Nähte. Die Nahtzugaben von je 1,5 cm Breite zeigen dabei nach hinten. Anschließend versäuberst (säumst) Du die Nahtzugaben mit dem Zickzackstich, wobei Du die Kanten der beiden aufeinander liegenden Zugaben auf einmal vernähst. Achte darauf, dass sie dabei nicht allzu viel von ihrer Breite einbüßen, wir brauchen sie nachher noch als Tunnel für das Versteifungsband. Man kann schon erkennen, was es wird!
Jetzt stecke die Ober- und Futterstoffteile rechts auf rechts aufeinander und nähe sie an den Schmalseiten zusammen. Wieder je 1,5 cm Nahtzugabe lassen (also an der Kante der Vlieseline entlangnähen) und diese versäubern. Wenden und bügeln, dann wieder an der Ober- und Unterkante zusammenstecken. Für die Stäbchen-Tunnel nähst Du jetzt entlang der Segment-Nähte Ober- und Futterstoffteil zusammen. Nähe auf dem Oberstoff und direkt auf den bereits vorhandenen Nähten, dann sieht´s am saubersten aus. Es ist nicht schlimm, wenn Du im Futterstoff nicht genau die Segment-Nähte erwischst, denn das sieht man beim Tragen ja nicht. Anschließend machst Du neben jede Naht eine zweite parallele Naht, die eine Breite des Versteifungsbands plus zwei, drei Millimeter nach hinten (Richtung Schnürung) verschoben liegt. Dabei nähst Du automatisch die nach hinten gebügelten Nahtzugaben mit fest. An den Schmalseiten nähst Du zusätzlich je einen Tunnel direkt an der Kante.
Schneide für jeden Tunnel ein passendes Stück Versteifungsband ab: Das Band sollte etwa einen Zentimeter kürzer sein als der dazugehörige Tunnel. Runde die Ecken ab und stecke die Bandstücke in ihren jeweiligen Tunnel.
Nun nimm die beiden Stücke für die Lasche her, die später die Schnürung unterlegen soll. Auf das Futterstoff-Rechteck bügelst Du von links den Rest Vlieseline auf. Stecke Futterstoff und Oberstoff rechts auf rechts fest und nähe drei Seiten zusammen: Langseite, Schmalseite, Langseite. Nahtzugaben zurückschneiden (am besten mit der Zackenschere und besonders an den Ecken). Wenn Du keine Zackenschere hast, versäubere die Nahtzugaben. Wenden und bügeln, dann die vierte Seite nach innen umschlagen und von rechts zunähen.
Die obere und untere Kante der Korsage wird jetzt mit dem Schrägband gesäumt. Erst steckst Du das Band von innen fest, dann nähst Du es an, klappst es nach vorne und nähst es dort fest (siehe auch
Tipps) Vorsicht an den Enden der Versteifungsstäbchen, damit der Faden nicht reißt oder gar die Nadel abbricht. Die Enden des Schrägbands schön nach innen umschlagen, dann sieht es ordentlich aus und franst nicht durch die Gegend.
Die Lasche heftest Du an einer Schmalseite der Korsage an, und zwar ca. 3 cm entfernt parallel zur Kante. Achte darauf, dass Du auch die Lasche mit der schmaleren Seite befestigst. Zwischen Laschennaht und dem Versteifungsband direkt an der Kante muss noch Platz für die Ösen bleiben. Probiere vor dem Festnähen aus, ob das lose Ende der Lasche beim Tragen nicht oben oder unten unter der Korsage hervorschaut. Korrigiere gegebenenfalls die Form der Lasche. Dann nähst Du sie fest.
Zu guter Letzt bringst Du noch die Ösen im regelmäßigen Abstand neben den äußersten Versteifungsstäbchen an und fädelst die Kordel oder das Schnürband ein - fertig!
Variationen:
- Mit der Lasche kann man leicht an den Maßen der Korsage tricksen, wenn man keine Lust hat, das Schnittmuster umzurechnen. Näht man eine längere Lasche an, steht die Schnürung weiter offen und man gewinnt Umfang hinzu. Man kann die Lasche auch ganz weglassen, dann bleibt die Haut unter der Schnürung sichtbar. Oder man rechnet die Breite der Korsagen-Segmente so um, dass die Schnürung beim Tragen ganz geschlossen ist, dann erübrigt sich die Lasche auch oder man kann sie sehr viel kürzer machen (Zur Umrechnung vom Schnittmuster siehe Jacquard Korsett oder Devilyn Korsage).
- Oberstoff-Segmente abwechselnd aus zwei verschiedenen Stoffen zuschneiden oder mit Spitze beziehen (dann Oberstoff-Segment und Spitze als ein Teil verarbeiten).
- Samtband-Schlaufen für Strapse unsichtbar innen festnähen.
- An den Kanten und Versteifungsstäbchen mit Spitze, Borte, Perlen, Pailletten, was auch immer verzieren.
- Besonders bei Verwendung von Lack oder Lederimitat: Zierschnallen am Vorne-Mitte-Teil festnähen, Ketten oder Bondageriemen anbringen (siehe in dem Fall auch die Tipps für Lackstoff). In diesem Fall bietet es sich an, die Korsage nicht mit Satinschrägband einzufassen, sondern mit Schrägband, das man aus dem Korsagen-Oberstoff selber zusammengenäht hat.
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