Korsett



Korsett

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Erstellung des Schnittmusters und Nähanleitung für ein professionelles Korsett nach Art des "Frankfurter Kastens" bekannt aus der Orthopädie.


Zutaten:
Stoff: festen Stoff, am besten Baumwolle, bevorzugt "Drell" und Futterstoff
etwas festen aber elastischen Stoff, bevorzugt Bandagengummi
Haken- und Augenband.
Einschlagösen (4-5mm)
3m Senkel
Fischgräten oder sonstige Korsettstangen
Einfaßgummi

Farbe: black is beautiful ;)

Der Zuschnitt ist eine leicht modifizierte Variante des in der Orthopädie gebräuchlichen "Frankfurter Kastens", mit dessen Hilfe die Zuschnitte für orthopädische Mieder erstellt werden. Aber keine Sorge, das muß nicht gleich medizinisch aussehen! ;)

Zunächst einmal nimmt man verschiedene Maße: Das Umfangsmaß unter der Brust, das der Taille, des Bauches und das des Beckens.
Man mißt den Abstand zwischen den Stellen, wo man die Umfangsmaße gemessen hat ausgehend von der Taille, außerdem den Abstand zwischen den Brüsten, den Abstand zwischen den vorderen Knochenvorsprüngen des Beckens, die gesamte vordere und die gesamte hintere Höhe, wobei diese nicht höher gehen sollte, als zwei finger breit unter den Schulterblättern. Da es keinen wirklichen medizinischen Anspruch erheben sollte, muß es nicht unbedingt bis auf den Po herunterreichen.
Bei der Maßnahme ist es überaus sinnvoll eine zweite Person um Hilfe zu bitten, da ein Maßband leicht zum Verrutschen neigt und die genaue Paßform unbedingt zu gewährleisten ist, da das Korsett hinterher ziemlich steif wird. maßblatt2 maßblatt1 Aus den größten Maßen zeichnet man auf Papier ein Rechteck, wobei die Umfangsmaße kurzerhand halbiert werden, weil es ohnehin spiegelsymmetrisch wird. Wäre das nicht der Fall, gehe ich davon aus, daß bereits ein Korsett getragen wird... ;). Dabei muß man darauf achten, inwiefern der vordere untere Rand und der hintere obere Rand auseinander liegen, da es sonst leicht zu kurz werden könnte.

Dann teilt man das Rechteck in sieben senkrechte Streifen in der selben Breite. Wenn das kleinste Umfangsmaß unter 70 cm liegt, ist es wahrscheinlich besser nur 6 Streifen zu machen.
Wenn man feststellt, daß eine Naht genau da zu liegen kommt, wo einer der Hüftknochen sitzt, empfiehlt es sich, die Naht irgendwie zu verschieben. Sei es durch eine andere Aufteilung oder einfach so, daß man die vorderen Teile etwas schmaler oder eben etwas breiter macht.
Dann zeichnet man die Taille ein und die anderen Umfänge in Bezug auf diese.
kasten1
Als nächstes errechnet man die Abnäher zwischen den Umfängen.
Man beachte dabei, daß die Umfangsmaße auf dem Papier halbiert sind!
Ist der Taillenumfang zB 77, der Hüftumfang 88, müssen 5.5cm auf alle Abnäher verteilt werden.

Die Abnäher müssen sinnvoll eingeteilt werden. Dabei werden sie nicht gleichmäßig auf alle Stoffbahnen verteilt, sondern entsprechend den anatomischen Gegebenheiten gemacht. Dies schriftlich festzuhalten ist sehr umständlich, ich bitte darum, sich an der Zeichnung zu orientieren.
Den Randverlauf kann man individuell gestalten. Bei einer Aufteilung in sieben Abschnitte je Seite zieht man eine Kurve etwa zwischen der dritten und vierten Bahn als Beinausparung ca acht Zentimeter über den unteren Rand des "Kastens" und läßt sie zu beiden Seiten sanft in die benachbarten Ränder auslaufen.
Wenn das Korsett zwischen den Brüsten noch etwas hochlaufen soll, dann macht man eine entsprechende Aussparung, die mit Hilfe des gemessenen Abstandmaßes der Brüste konstruiert werden kann.
In Zusammenhang mit einem BH hat das im übrigen eine leicht pushende Wirkung. Wer darauf Wert legt...
kasten2

Im Prinzip sind die Teile jetzt fertig. Es ist hilfreich die Teile zu nummerieren, da ein ungeübter Blick sie nicht unbedingt auseinanderhalten können wird.
Dann schneidet man die Papierteile als Schablonen aus.

Die verwendeten Stoffe - Deckstoff und Futterstoff - werden aufeinander gelegt, wobei rechte und linke Seite beachtet werden sollte. Die Schablonen werden mit Nadeln an beiden Stoffen befestigt und die Paßteile mit einer Zugabe von einem Zentimeter ringsherum ausgeschnitten. Die Teile möglichst wieder kennzeichnen. Dann das ganze nochmal, wobei die Schablonen umgedreht werden, weil es ja spiegelsymmetrisch für die andere Seite werden soll.
Teil 3 wird aus dem elastischen Stoff angefertigt. Das gibt später eine angenehme Bewegungungsfreiheit, sonst engt es zu sehr ein. Ist der elastische Stoff fest genug, ist es angenehm zu tragen und dennoch formgebend und stabil.

Vor dem Nähen werden Falzstreifen angefertigt. Das sind Streifen, die 4.5 cm breit sind, und dann auf beiden Seiten so weit eingeschlagen werden, daß sie nur noch zwei Zentimeter breit sind. Das hängt aber auch von den vorhandenen Fischgräten, bzw Korsettstangen ab, die später dort hineingeschoben werden. Davon werden so viele Streifen benötigt, wie Nähte zwischen den Stoffteilen sind und zwei zusätzlich für die Schnürung, die allerdings später 3 cm breit sein müssen.

Die Stoffteile 1-6, bzw 7 werden miteinander vernäht. Der Futter- und der Deckstoff werden nicht getrennt sondern so zusammen vernäht, daß die Nahtzugaben außen sind und innen eine glatte Naht ist.
naht1
Bei der hinteren Bahn wird der äußere, nicht vernähte Rand nach außen 3 cm umgeschlagen und eng an der Kante vernäht. Darauf kommt ein breiter Falzstreifen. Dort kommt später die Schnürung hin. Der Falzstreifen wird eng an beiden Rändern mit Geradstich angenäht und einmal im Abstand von etwa 5mm von der äußeren Naht noch einmal. Bei der ersten Bahn wird nur die ein Zentimeter breite Nahtzugabe umgenäht, aber nach innen. Direkt im Anschluß kann dort das Haken- und Augenband angenäht werden.
Das Hakenband wird dabei so angenäht, daß die Haken zunächst nach oben und vom Stoff weg zeigen, also nicht greifen könnten. Dann wird das Band umgeschlagen und hinter den Haken weiter mittig angenäht. Das Augenband wird eng am Rand und teilweise durch die Ösen hindurch und wie die Haken dahinter weiter mittig angenäht.

Danach werden die Ösen im Abstand von etwa 2.5 cm eingeschlagen.
Zuletzt wird der Senkel eingeführt. Zwischen den vierten und fünften Loch läßt man eine großzügige Schlaufe, unten wird eine kleine Schleife geknotet. Die übriggebliebenen Schlaufen werden ebenfalls zu einer Schleife geknotet.

Dann erfolgt die erste Anprobe. Dabei wird die Paßform überprüft und notfalls weitere Abnäher gemacht. Dabei ist zu beachten, daß man die Abnäher gleichmäßig auf beiden Seiten abnäht, da sonst das ganze schief wird. Also nicht zu sehr ziehen.
Je fester der Stoff ist, desto leichter lasen sich Änderungen durchführen. Bei Variationen mit Satin bitte ich darum in eigenem Interesse echten Baumwollsatin zu nehmen und keinen Polyester. Damit habe ich sehr böse Erfahrungen gemacht, weil der sich nicht nur schlecht verarbeiten sondern auch kaum korrigieren läßt. Außerdem fasert er sehr leicht auf.

Das Korsett sollte angenehm sitzen, im Sitzen, wie im Stehen und den Rücken nicht ins Hohlkreuz drücken oder den Bauch zu sehr einengen. Ich möchte nicht für Fehlstellungen zur Verantwortung gezogen werden... das ist Sache eines Arztes. Änderungen am besten direkt mit der Nähmaschine festhalten, die oberen und unteren Ränder kann man einfach abschneiden.

Nach erfolgter Anprobe wird der Senkel wegen der Handlichkeit wieder herausgenommen.

Die nach außen stehenden Abnäherlappen werden in der Mitte geteilt und mit Zickzack platt genäht. Zuvor natürlich die von der Anprobe übrigen nach außen liegenden Nähte auftrennen. Dabei den Stoff ruhig etwas seitlich wegziehen, damit er wirklich platt ist und die runden Formen der Abnäher nicht verloren gehen.
naht2
Dort wo der elastische Stoff ist, werden die Abnäher nicht geteilt sondern seitlich mit gerader Naht in Richtung des festen Stoffes umgenäht. Das gilt insbesondere dann, wenn der elastische Stoff dicker ist. Was seitlich über die Einstiche der Nähmaschine herausragt, kann abgeschnitten werden.
Auf alle Nähte werden nun die Falzstreifen mittig von außen aufgenäht. Sie verdecken die Nähte und bilden einen Tunnel, in den die Fischgräten eingeschoben werden.

Zuerst aber wird der unterer Rand mit dem Einfaßgummi mit Zickzackstich eingefaßt. Weil es elastisch ist und auch der Zickzackstich einigermaßen elastisch ist, verliert das Gummi der dritten Bahn nicht seine Wirkung.
Dann werden die Fischgräten eingeschoben. Man kann sowas von der Rolle kaufen, am besten schneidet man sie dann direkt in der passenden Länge ab. Die Enden mit Schmirgelpapier abrunden, damit es nicht nach dem ersten Tragen durch den Stoff sticht. Bei der Länge beachten, daß man für das obere Einfaßgummi noch genug Platz hat.
Fischgräten werden unter alle Falzstreifen geschoben, außer die, welche an die elastische Bahn angrenzen, weil es dort sonst zu dick würde. Bei dünnem elastischen Stoff kann man es versuchen. Ich habe nur einen sehr stabilen.

Dann wird auch der obere Rand eingefaßt.
Der Senkel wird wie zur ersten Anprobe eingezogen. Dadurch daß er so lang ist, kann man das Korsett gut nachstellen.
Fertig ist ein höchst professionelles Korsett mit bestmöglicher Paßform.

Getragen werden kann es gut über der Kleidung, schwarz auf weiß oder andersherum sieht sehr gut aus.
Das sieht sogar so edel aus, daß man das sogar bei Oma auf dem Kaffeetrinken anziehen kann.

Ich kann nur empfehlen das ganze auch mal zu üben, bevor das richtige angefertigt wird, weil es das erste/die ersten male echt nicht leicht ist. Dazu vielleicht mit billigem einfach Stoff. Mit Glück kann man das ja dann doch tragen. Aber wenn man gleich doppellagig den teuren nimmt muß man sich am Ende vielleicht ärgern.

Offene Fragen natürlich jederzeit an mich!





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