Korsett | |
| Autor: | Verfasser |
| Schwierigkeit: |
|
|
Bewertung 4 Fotos dazu Eigene Fotos hochladen | |
Farbe: black is beautiful ;)
Der Zuschnitt ist eine leicht modifizierte Variante des in der Orthopädie
gebräuchlichen "Frankfurter Kastens", mit dessen Hilfe die Zuschnitte
für orthopädische Mieder erstellt werden. Aber keine Sorge, das
muß nicht gleich medizinisch aussehen! ;)
Zunächst einmal nimmt man verschiedene Maße: Das Umfangsmaß
unter der Brust, das der Taille, des Bauches und das des Beckens.
Man mißt den Abstand zwischen den Stellen, wo man die Umfangsmaße
gemessen hat ausgehend von der Taille, außerdem den Abstand zwischen den
Brüsten, den Abstand zwischen den vorderen Knochenvorsprüngen des
Beckens, die gesamte vordere und die gesamte hintere Höhe, wobei diese
nicht höher gehen sollte, als zwei finger breit unter den
Schulterblättern. Da es keinen wirklichen medizinischen Anspruch erheben
sollte, muß es nicht unbedingt bis auf den Po herunterreichen.
Bei der Maßnahme ist es überaus sinnvoll eine zweite Person um Hilfe
zu bitten, da ein Maßband leicht zum Verrutschen neigt und die genaue
Paßform unbedingt zu gewährleisten ist, da das Korsett hinterher
ziemlich steif wird.
Aus den größten Maßen zeichnet man auf Papier ein Rechteck,
wobei die Umfangsmaße kurzerhand halbiert werden, weil es ohnehin
spiegelsymmetrisch wird. Wäre das nicht der Fall, gehe ich davon aus,
daß bereits ein Korsett getragen wird... ;). Dabei muß man darauf
achten, inwiefern der vordere untere Rand und der hintere obere Rand
auseinander liegen, da es sonst leicht zu kurz werden könnte.
Dann teilt man das Rechteck in sieben senkrechte Streifen in der selben Breite.
Wenn das kleinste Umfangsmaß unter 70 cm liegt, ist es wahrscheinlich
besser nur 6 Streifen zu machen.
Wenn man feststellt, daß eine Naht genau da zu liegen kommt, wo einer der
Hüftknochen sitzt, empfiehlt es sich, die Naht irgendwie zu verschieben. Sei
es durch eine andere Aufteilung oder einfach so, daß man die vorderen
Teile etwas schmaler oder eben etwas breiter macht.
Dann zeichnet man die Taille ein und die anderen Umfänge in Bezug auf
diese.
Als nächstes errechnet man die Abnäher zwischen den Umfängen.
Man beachte dabei, daß die Umfangsmaße auf dem Papier halbiert sind!
Ist der Taillenumfang zB 77, der Hüftumfang 88, müssen 5.5cm auf alle
Abnäher verteilt werden.
Die Abnäher müssen sinnvoll eingeteilt werden. Dabei werden sie nicht
gleichmäßig auf alle Stoffbahnen verteilt, sondern entsprechend den
anatomischen Gegebenheiten gemacht. Dies schriftlich festzuhalten ist sehr
umständlich, ich bitte darum, sich an der Zeichnung zu orientieren.
Den Randverlauf kann man individuell gestalten. Bei einer Aufteilung in sieben
Abschnitte je Seite zieht man eine Kurve etwa zwischen der dritten und vierten
Bahn als Beinausparung ca acht Zentimeter über den unteren Rand des
"Kastens" und läßt sie zu beiden Seiten sanft in die benachbarten
Ränder auslaufen.
Wenn das Korsett zwischen den Brüsten noch etwas hochlaufen soll, dann
macht man eine entsprechende Aussparung, die mit Hilfe des gemessenen
Abstandmaßes der Brüste konstruiert werden kann.
In Zusammenhang mit einem BH hat das im übrigen eine leicht pushende
Wirkung. Wer darauf Wert legt...
Im Prinzip sind die Teile jetzt fertig. Es ist hilfreich die Teile zu
nummerieren, da ein ungeübter Blick sie nicht unbedingt auseinanderhalten
können wird.
Dann schneidet man die Papierteile als Schablonen aus.
Die verwendeten Stoffe - Deckstoff und Futterstoff - werden aufeinander gelegt,
wobei rechte und linke Seite beachtet werden sollte. Die Schablonen werden mit
Nadeln an beiden Stoffen befestigt und die Paßteile mit einer Zugabe von
einem Zentimeter ringsherum ausgeschnitten. Die Teile möglichst wieder
kennzeichnen. Dann das ganze nochmal, wobei die Schablonen umgedreht werden,
weil es ja spiegelsymmetrisch für die andere Seite werden soll.
Teil 3 wird aus dem elastischen Stoff angefertigt. Das gibt später eine
angenehme Bewegungungsfreiheit, sonst engt es zu sehr ein. Ist der elastische Stoff
fest genug, ist es angenehm zu tragen und dennoch formgebend und stabil.
Vor dem Nähen werden Falzstreifen angefertigt. Das sind Streifen, die 4.5 cm breit sind, und dann auf beiden Seiten so weit eingeschlagen werden, daß sie nur noch zwei Zentimeter breit sind. Das hängt aber auch von den vorhandenen Fischgräten, bzw Korsettstangen ab, die später dort hineingeschoben werden. Davon werden so viele Streifen benötigt, wie Nähte zwischen den Stoffteilen sind und zwei zusätzlich für die Schnürung, die allerdings später 3 cm breit sein müssen.
Die Stoffteile 1-6, bzw 7 werden miteinander vernäht. Der Futter- und der
Deckstoff werden nicht getrennt sondern so zusammen vernäht, daß die
Nahtzugaben außen sind und innen eine glatte Naht ist.
Bei der hinteren Bahn wird der äußere, nicht vernähte Rand nach
außen 3 cm umgeschlagen und eng an der Kante vernäht. Darauf kommt
ein breiter Falzstreifen. Dort kommt später die Schnürung hin. Der
Falzstreifen wird eng an beiden Rändern mit Geradstich angenäht und
einmal im Abstand von etwa 5mm von der äußeren Naht noch einmal. Bei
der ersten Bahn wird nur die ein Zentimeter breite Nahtzugabe umgenäht,
aber nach innen. Direkt im Anschluß kann dort das Haken- und Augenband
angenäht werden.
Das Hakenband wird dabei so angenäht, daß die Haken zunächst
nach oben und vom Stoff weg zeigen, also nicht greifen könnten. Dann wird
das Band umgeschlagen und hinter den Haken weiter mittig angenäht. Das
Augenband wird eng am Rand und teilweise durch die Ösen hindurch und wie
die Haken dahinter weiter mittig angenäht.
Danach werden die Ösen im Abstand von etwa 2.5 cm eingeschlagen.
Zuletzt wird der Senkel eingeführt. Zwischen den vierten und fünften
Loch läßt man eine großzügige Schlaufe, unten wird eine
kleine Schleife geknotet. Die übriggebliebenen Schlaufen werden ebenfalls
zu einer Schleife geknotet.
Dann erfolgt die erste Anprobe. Dabei wird die Paßform
überprüft und notfalls weitere Abnäher gemacht. Dabei ist zu
beachten, daß man die Abnäher gleichmäßig auf beiden
Seiten abnäht, da sonst das ganze schief wird. Also nicht zu sehr ziehen.
Je fester der Stoff ist, desto leichter lasen sich Änderungen
durchführen. Bei Variationen mit Satin bitte ich darum in eigenem
Interesse echten Baumwollsatin zu nehmen und keinen Polyester. Damit habe ich
sehr böse Erfahrungen gemacht, weil der sich nicht nur schlecht
verarbeiten sondern auch kaum korrigieren läßt. Außerdem
fasert er sehr leicht auf.
Das Korsett sollte angenehm sitzen, im Sitzen, wie im Stehen und den Rücken nicht ins Hohlkreuz drücken oder den Bauch zu sehr einengen. Ich möchte nicht für Fehlstellungen zur Verantwortung gezogen werden... das ist Sache eines Arztes. Änderungen am besten direkt mit der Nähmaschine festhalten, die oberen und unteren Ränder kann man einfach abschneiden.
Nach erfolgter Anprobe wird der Senkel wegen der Handlichkeit wieder herausgenommen.
Die nach außen stehenden Abnäherlappen werden in der Mitte geteilt
und mit Zickzack platt genäht. Zuvor natürlich die von der Anprobe
übrigen nach außen liegenden Nähte auftrennen. Dabei den Stoff
ruhig etwas seitlich wegziehen, damit er wirklich platt ist und die runden
Formen der Abnäher nicht verloren gehen.
Dort wo der elastische Stoff ist, werden die Abnäher nicht geteilt sondern
seitlich mit gerader Naht in Richtung des festen Stoffes umgenäht. Das
gilt insbesondere dann, wenn der elastische Stoff dicker ist. Was seitlich
über die Einstiche der Nähmaschine herausragt, kann abgeschnitten
werden.
Auf alle Nähte werden nun die Falzstreifen mittig von außen
aufgenäht. Sie verdecken die Nähte und bilden einen Tunnel, in den
die Fischgräten eingeschoben werden.
Zuerst aber wird der unterer Rand mit dem Einfaßgummi mit Zickzackstich eingefaßt. Weil es elastisch ist und auch der Zickzackstich
einigermaßen elastisch ist, verliert das Gummi der dritten Bahn nicht
seine Wirkung.
Dann werden die Fischgräten eingeschoben. Man kann sowas von der Rolle
kaufen, am besten schneidet man sie dann direkt in der passenden Länge ab.
Die Enden mit Schmirgelpapier abrunden, damit es nicht nach dem ersten Tragen
durch den Stoff sticht. Bei der Länge beachten, daß man für das
obere Einfaßgummi noch genug Platz hat.
Fischgräten werden unter alle Falzstreifen geschoben, außer die,
welche an die elastische Bahn angrenzen, weil es dort sonst zu dick würde.
Bei dünnem elastischen Stoff kann man es versuchen. Ich habe nur einen
sehr stabilen.
Dann wird auch der obere Rand eingefaßt.
Der Senkel wird wie zur ersten Anprobe eingezogen. Dadurch daß er so lang
ist, kann man das Korsett gut nachstellen.
Fertig ist ein höchst professionelles Korsett mit bestmöglicher
Paßform.
Getragen werden kann es gut über der Kleidung, schwarz auf weiß
oder andersherum sieht sehr gut aus.
Das sieht sogar so edel aus, daß man das sogar bei Oma auf dem
Kaffeetrinken anziehen kann.
Ich kann nur empfehlen das ganze auch mal zu üben, bevor das richtige angefertigt wird, weil es das erste/die ersten male echt nicht leicht ist. Dazu vielleicht mit billigem einfach Stoff. Mit Glück kann man das ja dann doch tragen. Aber wenn man gleich doppellagig den teuren nimmt muß man sich am Ende vielleicht ärgern.
Offene Fragen natürlich jederzeit an mich!