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Korsett



Korsett

Autor: Verfasser
Schwierigkeit: 4 von 4
5 Fotos dazu

Erstellung des Schnittmusters und N√§hanleitung f√ľr ein professionelles Korsett nach Art des "Frankfurter Kastens" bekannt aus der Orthop√§die.


Zutaten:
Stoff: festen Stoff, am besten Baumwolle, bevorzugt "Drell" und Futterstoff
etwas festen aber elastischen Stoff, bevorzugt Bandagengummi
Haken- und Augenband.
Einschlagösen (4-5mm)
3m Senkel
Fischgräten oder sonstige Korsettstangen
Einfaßgummi

Farbe: black is beautiful ;)

Der Zuschnitt ist eine leicht modifizierte Variante des in der Orthop√§die gebr√§uchlichen "Frankfurter Kastens", mit dessen Hilfe die Zuschnitte f√ľr orthop√§dische Mieder erstellt werden. Aber keine Sorge, das mu√ü nicht gleich medizinisch aussehen! ;)

Zunächst einmal nimmt man verschiedene Maße: Das Umfangsmaß unter der Brust, das der Taille, des Bauches und das des Beckens.
Man mi√üt den Abstand zwischen den Stellen, wo man die Umfangsma√üe gemessen hat ausgehend von der Taille, au√üerdem den Abstand zwischen den Br√ľsten, den Abstand zwischen den vorderen Knochenvorspr√ľngen des Beckens, die gesamte vordere und die gesamte hintere H√∂he, wobei diese nicht h√∂her gehen sollte, als zwei finger breit unter den Schulterbl√§ttern. Da es keinen wirklichen medizinischen Anspruch erheben sollte, mu√ü es nicht unbedingt bis auf den Po herunterreichen.
Bei der Ma√ünahme ist es √ľberaus sinnvoll eine zweite Person um Hilfe zu bitten, da ein Ma√üband leicht zum Verrutschen neigt und die genaue Pa√üform unbedingt zu gew√§hrleisten ist, da das Korsett hinterher ziemlich steif wird. ma√üblatt2 ma√üblatt1 Aus den gr√∂√üten Ma√üen zeichnet man auf Papier ein Rechteck, wobei die Umfangsma√üe kurzerhand halbiert werden, weil es ohnehin spiegelsymmetrisch wird. W√§re das nicht der Fall, gehe ich davon aus, da√ü bereits ein Korsett getragen wird... ;). Dabei mu√ü man darauf achten, inwiefern der vordere untere Rand und der hintere obere Rand auseinander liegen, da es sonst leicht zu kurz werden k√∂nnte.

Dann teilt man das Rechteck in sieben senkrechte Streifen in der selben Breite. Wenn das kleinste Umfangsmaß unter 70 cm liegt, ist es wahrscheinlich besser nur 6 Streifen zu machen.
Wenn man feststellt, da√ü eine Naht genau da zu liegen kommt, wo einer der H√ľftknochen sitzt, empfiehlt es sich, die Naht irgendwie zu verschieben. Sei es durch eine andere Aufteilung oder einfach so, da√ü man die vorderen Teile etwas schmaler oder eben etwas breiter macht.
Dann zeichnet man die Taille ein und die anderen Umfänge in Bezug auf diese.
kasten1
Als nächstes errechnet man die Abnäher zwischen den Umfängen.
Man beachte dabei, daß die Umfangsmaße auf dem Papier halbiert sind!
Ist der Taillenumfang zB 77, der H√ľftumfang 88, m√ľssen 5.5cm auf alle Abn√§her verteilt werden.

Die Abn√§her m√ľssen sinnvoll eingeteilt werden. Dabei werden sie nicht gleichm√§√üig auf alle Stoffbahnen verteilt, sondern entsprechend den anatomischen Gegebenheiten gemacht. Dies schriftlich festzuhalten ist sehr umst√§ndlich, ich bitte darum, sich an der Zeichnung zu orientieren.
Den Randverlauf kann man individuell gestalten. Bei einer Aufteilung in sieben Abschnitte je Seite zieht man eine Kurve etwa zwischen der dritten und vierten Bahn als Beinausparung ca acht Zentimeter √ľber den unteren Rand des "Kastens" und l√§√üt sie zu beiden Seiten sanft in die benachbarten R√§nder auslaufen.
Wenn das Korsett zwischen den Br√ľsten noch etwas hochlaufen soll, dann macht man eine entsprechende Aussparung, die mit Hilfe des gemessenen Abstandma√ües der Br√ľste konstruiert werden kann.
In Zusammenhang mit einem BH hat das im √ľbrigen eine leicht pushende Wirkung. Wer darauf Wert legt...
kasten2

Im Prinzip sind die Teile jetzt fertig. Es ist hilfreich die Teile zu nummerieren, da ein unge√ľbter Blick sie nicht unbedingt auseinanderhalten k√∂nnen wird.
Dann schneidet man die Papierteile als Schablonen aus.

Die verwendeten Stoffe - Deckstoff und Futterstoff - werden aufeinander gelegt, wobei rechte und linke Seite beachtet werden sollte. Die Schablonen werden mit Nadeln an beiden Stoffen befestigt und die Pa√üteile mit einer Zugabe von einem Zentimeter ringsherum ausgeschnitten. Die Teile m√∂glichst wieder kennzeichnen. Dann das ganze nochmal, wobei die Schablonen umgedreht werden, weil es ja spiegelsymmetrisch f√ľr die andere Seite werden soll.
Teil 3 wird aus dem elastischen Stoff angefertigt. Das gibt später eine angenehme Bewegungungsfreiheit, sonst engt es zu sehr ein. Ist der elastische Stoff fest genug, ist es angenehm zu tragen und dennoch formgebend und stabil.

Vor dem N√§hen werden Falzstreifen angefertigt. Das sind Streifen, die 4.5 cm breit sind, und dann auf beiden Seiten so weit eingeschlagen werden, da√ü sie nur noch zwei Zentimeter breit sind. Das h√§ngt aber auch von den vorhandenen Fischgr√§ten, bzw Korsettstangen ab, die sp√§ter dort hineingeschoben werden. Davon werden so viele Streifen ben√∂tigt, wie N√§hte zwischen den Stoffteilen sind und zwei zus√§tzlich f√ľr die Schn√ľrung, die allerdings sp√§ter 3 cm breit sein m√ľssen.

Die Stoffteile 1-6, bzw 7 werden miteinander vernäht. Der Futter- und der Deckstoff werden nicht getrennt sondern so zusammen vernäht, daß die Nahtzugaben außen sind und innen eine glatte Naht ist.
naht1
Bei der hinteren Bahn wird der √§u√üere, nicht vern√§hte Rand nach au√üen 3 cm umgeschlagen und eng an der Kante vern√§ht. Darauf kommt ein breiter Falzstreifen. Dort kommt sp√§ter die Schn√ľrung hin. Der Falzstreifen wird eng an beiden R√§ndern mit Geradstich angen√§ht und einmal im Abstand von etwa 5mm von der √§u√üeren Naht noch einmal. Bei der ersten Bahn wird nur die ein Zentimeter breite Nahtzugabe umgen√§ht, aber nach innen. Direkt im Anschlu√ü kann dort das Haken- und Augenband angen√§ht werden.
Das Hakenband wird dabei so angen√§ht, da√ü die Haken zun√§chst nach oben und vom Stoff weg zeigen, also nicht greifen k√∂nnten. Dann wird das Band umgeschlagen und hinter den Haken weiter mittig angen√§ht. Das Augenband wird eng am Rand und teilweise durch die √Ėsen hindurch und wie die Haken dahinter weiter mittig angen√§ht.

Danach werden die √Ėsen im Abstand von etwa 2.5 cm eingeschlagen.
Zuletzt wird der Senkel eingef√ľhrt. Zwischen den vierten und f√ľnften Loch l√§√üt man eine gro√üz√ľgige Schlaufe, unten wird eine kleine Schleife geknotet. Die √ľbriggebliebenen Schlaufen werden ebenfalls zu einer Schleife geknotet.

Dann erfolgt die erste Anprobe. Dabei wird die Pa√üform √ľberpr√ľft und notfalls weitere Abn√§her gemacht. Dabei ist zu beachten, da√ü man die Abn√§her gleichm√§√üig auf beiden Seiten abn√§ht, da sonst das ganze schief wird. Also nicht zu sehr ziehen.
Je fester der Stoff ist, desto leichter lasen sich √Ąnderungen durchf√ľhren. Bei Variationen mit Satin bitte ich darum in eigenem Interesse echten Baumwollsatin zu nehmen und keinen Polyester. Damit habe ich sehr b√∂se Erfahrungen gemacht, weil der sich nicht nur schlecht verarbeiten sondern auch kaum korrigieren l√§√üt. Au√üerdem fasert er sehr leicht auf.

Das Korsett sollte angenehm sitzen, im Sitzen, wie im Stehen und den R√ľcken nicht ins Hohlkreuz dr√ľcken oder den Bauch zu sehr einengen. Ich m√∂chte nicht f√ľr Fehlstellungen zur Verantwortung gezogen werden... das ist Sache eines Arztes. √Ąnderungen am besten direkt mit der N√§hmaschine festhalten, die oberen und unteren R√§nder kann man einfach abschneiden.

Nach erfolgter Anprobe wird der Senkel wegen der Handlichkeit wieder herausgenommen.

Die nach au√üen stehenden Abn√§herlappen werden in der Mitte geteilt und mit Zickzack platt gen√§ht. Zuvor nat√ľrlich die von der Anprobe √ľbrigen nach au√üen liegenden N√§hte auftrennen. Dabei den Stoff ruhig etwas seitlich wegziehen, damit er wirklich platt ist und die runden Formen der Abn√§her nicht verloren gehen.
naht2
Dort wo der elastische Stoff ist, werden die Abn√§her nicht geteilt sondern seitlich mit gerader Naht in Richtung des festen Stoffes umgen√§ht. Das gilt insbesondere dann, wenn der elastische Stoff dicker ist. Was seitlich √ľber die Einstiche der N√§hmaschine herausragt, kann abgeschnitten werden.
Auf alle Nähte werden nun die Falzstreifen mittig von außen aufgenäht. Sie verdecken die Nähte und bilden einen Tunnel, in den die Fischgräten eingeschoben werden.

Zuerst aber wird der unterer Rand mit dem Einfaßgummi mit Zickzackstich eingefaßt. Weil es elastisch ist und auch der Zickzackstich einigermaßen elastisch ist, verliert das Gummi der dritten Bahn nicht seine Wirkung.
Dann werden die Fischgr√§ten eingeschoben. Man kann sowas von der Rolle kaufen, am besten schneidet man sie dann direkt in der passenden L√§nge ab. Die Enden mit Schmirgelpapier abrunden, damit es nicht nach dem ersten Tragen durch den Stoff sticht. Bei der L√§nge beachten, da√ü man f√ľr das obere Einfa√ügummi noch genug Platz hat.
Fischgr√§ten werden unter alle Falzstreifen geschoben, au√üer die, welche an die elastische Bahn angrenzen, weil es dort sonst zu dick w√ľrde. Bei d√ľnnem elastischen Stoff kann man es versuchen. Ich habe nur einen sehr stabilen.

Dann wird auch der obere Rand eingefaßt.
Der Senkel wird wie zur ersten Anprobe eingezogen. Dadurch daß er so lang ist, kann man das Korsett gut nachstellen.
Fertig ist ein höchst professionelles Korsett mit bestmöglicher Paßform.

Getragen werden kann es gut √ľber der Kleidung, schwarz auf wei√ü oder andersherum sieht sehr gut aus.
Das sieht sogar so edel aus, daß man das sogar bei Oma auf dem Kaffeetrinken anziehen kann.

Ich kann nur empfehlen das ganze auch mal zu √ľben, bevor das richtige angefertigt wird, weil es das erste/die ersten male echt nicht leicht ist. Dazu vielleicht mit billigem einfach Stoff. Mit Gl√ľck kann man das ja dann doch tragen. Aber wenn man gleich doppellagig den teuren nimmt mu√ü man sich am Ende vielleicht √§rgern.

Offene Fragen nat√ľrlich jederzeit an mich!





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