Achtung:
Diese Anleitung ist für ein Korsett im viktorianischen Stil. Es hätte im komplett geschnürten Zustand die Maße 72-60-76.
Ich möchte euch allerdings DRINGEND raten dieses Korsett (wie überhaupt jedes Korsett) nicht sofort ganz eng zu
schnüren. Der Körper sowie auch das verarbeitete Material brauchen Zeit sich an die ungewohnte Belastung zu gewöhnen.
Später könnt ihr dann enger schnüren, aber laßt euch Zeit damit! Vertraut auf euren Körper, wenn ihr das Gefühl habt es ist
zu eng, dann lockert die Schnürung! Dies ist für euer persönliches Wohlbefinden und auch für eure Gesundheit sehr wichtig.
Außerdem muß ich euch warnen, das Korsett sollte nicht dauernd getragen werden. Dieser Schnitt ist kein orthopädischer,
von niemandem abgesegnet und eigentlich nur für persönlichen Gebrauch entworfen. Natron und ich übernehmen keinerlei
Garantien für was auch immer ihr damit anstellt. Seid euch bitte darüber im Klaren, daß es auch ein Risiko für die
Gesundheit ist, den Körper einzuschnüren! Ich möchte euch keine Angst einjagen, aber ich finde, daß es wichtig ist auf den
Körper zu hören und zu vertrauen. Ein Korsett zu tragen wird immer irgendwie unangenehm sein, aber zwingt euch bitte zu
keinen Schmerzen, Atembeschwerden und Druckstellen die vollkommen unnötig sind!
Material
- 50 cm Jacquard
- 50 cm Jeansstoff (nehmt welchen der fest aber nicht kratzig ist, was wird das Futter, die Farbe ist hier egal, aber es ist
schön welchen in rot oder blau oder schwarz zu nehmen, dann sieht das Korsett auch von innen schön aus...)
- eine Packung Ösen (5mm) mit Scheiben
- etwa 4-5 m festes Band (so wie Schnürsenkel) zum Schnüren
- eine Vorderschließe aus Edelstahl, wobei jeder Teil 23 mm breit ist, 32 cm langl
- eine Unterplanchette aus Edelstahl, 26 mm breit und 32 cm lang
- Spiralstäbe, 11mm breit: 2 x 30 cm, 2 x 28 cm, 2 x 26 cm, 2 x 24 cm, 2 x 22cm
Preis
- Jacquard kostet 5-10 Euro der Meter
- Jeansstoff kostet ab 13 Euro der Meter
- Ösen kosten etwa 4 Euro
- Band kostet je nach Beschaffenheit zwischen 0,50 und 1,50 Euro der Meter
- Die Vorderschließe, Unterplanchette und die Stäbe hab ich bei www.corset-wg.de bestellt, da waren die Preise wie folgt:
- Vorderschließe 13 Euro
- Unterplanchette 1,50 Euro
- 10 Stäbe á 0,75 Euro, macht zusammen 7,50 Euro
- plus 6 Euro Porto, Versand und Nachnahme
- Also hat mich das ganze am Ende knapp 45 Euro gekostet, da kann man echt nicht meckern, denn so ein handgearbeitetes
Korsett kostet normalerweise ein Vermögen, wie jeder bestätigen kann der schonmal danach gesucht hat. Wenn ich mein
Korsett zum Verkauf gearbeitet hätte, selbst bei einem Stundenlohn von 10 Euro, würde das schon mindestens 250 Euro
kosten müssen!
Anleitung
Dieser Schnitt ist für ein Korsett
mit einer Taillenweite von 60 cm. Nehmt mal an, daß wäre jemandem zu wenig, und er hätte gerne 55 cm. Dann kann man
einen Umrechnungsfaktor erarbeiten (60:55=1,0507...) und damit sämtliche Taillenmaße der einzelnen Paneele umrechnen
(z.B. vorderes Mittenteil, Taillenmaß 5,8 cm: 5,8:1,0507= 5,52...) dabei bleiben die Maße unter der Brust und an der
Hüfte unberührt, denn hier kann man ja nicht unendlich einschnüren...
Und falls euch das zu kompliziert ist dann schaut doch mal wie Lacrima
den Schnitt auf ihre Größe angepasst hat!
So, hier ist dann also erstmal mein Schnitt. Das Korsett besteht aus sechs Paneelen rechts und sechs links. Diese sechs
Muster übertragt ihr in der richtigen Größe auf Papier (da kann man sie auch umdrehen und hat dann das Schnittmuster für
das gegengleiche Teil auf der andern Seite). Zu den Bildern hier ist zu sagen: es sind alles cm Angaben, nur die grauen Teile
sind die Paneele, die weißen Linien außerhalb sind nur Hilfslinien.
Jetzt ist es SEHR ratsam das ganze erstmal mit einem Probestück auszuprobieren. Da könnt ihr den Schnitt überprüfen,
feststellen ob es überhaupt paßt, euch gefällt und was ihr eventuell anders machen wollt. Ich habe das auch zuerst so
gemacht, ein Korsett ist einfach zu aufwendig und zu teuer um ins Blaue zu arbeiten. Also übertragt ihr erstmal alle sechs (ihr
müßt natürlich 12 Teile machen, sonst kann man ja nicht anprobieren) Schnittmuster (plus Nahtzugabe!) auf ein altes
Bettlaken oder einen billigen festen Stoff. Dabei bitte beachten: die Vorderschließe kann man hier nicht imitieren, ihr näht also die beiden vorderen Mittelteile gleich aneinander. Achtet darauf, daß ihr exakt arbeitet, sonst nützt das Probeteil gar nichts.
Ohne Stäbe knautscht das Probeteil und ihr könnt die Passform nicht beurteilen, es muss also verstärkt werden. Ihr könntet jetzt schon die Stäbe für das spätere Korsett verwenden (die kann man ja wieder rausnehmen). Bei Stäben vom Meter ist es vielleicht praktischer Plastik-Miederband oder Kabelbinder zu
benutzen, um die Stäbe nicht jetzt schon abschneiden zu müssen. Allerdings geben die Plastikalternativen keine ganz korrekte "Vorschau", aber unter Umständen kann das auch genügen.
Wenn ihr alles
zusammengenäht habt, dann zieht es an, schnürt es, und schaut euch im Spiegel an ob es paßt/gefällt.
Das Probeteil ist ein wichtiger Anhaltspunkt, das
Korsett wird am Ende viiieeel besser aussehen, vertraut mir.
So, nehmen wir an, ihr hab euch entschieden das Korsett nur zu nähen, habt das Schnittmuster entweder akzeptiert
oder verändert und euer Material zusammengeschafft. Dann kann's jetzt losgehen!
Ihr übertragt die Papierschnitte wieder einmal richtig, einmal spiegelverkehrt auf die linke (das ist die nicht so schöne, wo
das Muster matt auf glänzendem Grund ist) Seite des Jacquards und dann ebenso alle Schnittmuster bis auf die mittleren
Vorderteile auf Jeans. Diese Teile müssen auch aus Jacquard gemacht werden, da man eventuell sonst die Kante des
Futterstoffes von außen sehen würde. Ihr habt also 14 Teile Jacquard, 10 Teile Jeans. Bitte läßt großzügige Nahtzugaben
um alle Teile herum, auch oben und unten und besonders an den Kanten der vorderen und hinteren Mittelteile wo Schließe
und Schnürung hinkommen. Außerdem EXTREM wichtig: beschriftet alle Teile! Markiert wo oben ist, damit ihr später nicht
durcheinanderkommt!
Dann können wir jetzt zur ersten Naht kommen. Erstmal näht ihr nämlich die Schließe in die "Vorne Mitte" Teile. Zur
Schließe mal folgendes: Meine Schließe hat sechs Ösen und sechs pilzförmige Noppen zum Dranhaken, zwei von den
Ösen/Pilzen sind enger zusammen als die anderen, die kommen nach unten. Dann ist später der Teil mit den Ösen rechts
und die Pilze links, so macht man das anscheinend, ich hab's jedenfalls noch nie andersherum gesehen. Wir fangen also mit
rechts an. Legt das Ösenteil der Schließe an die richtige Kante des "Vorne Mitte" Teils (auf die Innenseite) und markiert wo
die Ösen rüberstehen, dazwischen werden nämlich Oberstoff und Futter zusammengenäht. Steckt die beiden Teile erstmal
entlang dieser Kante aneinander (rechte Seiten zueinander), probiert ob die Ösen noch durchpassen und näht die kurzen
Stückchen dann zusammen. Nun wird gebügelt. Das ist wichtig! Ich habe alle Nähte erstmal plattgebügelt und dann die
Nahtzugaben auseinander, etc. Dadurch läßt sich der Stoff besser verarbeiten und eure Arbeit wird exakter. Hier also auch
erstmal die Naht plattbügeln (Baumwolltemperatur), dann die Nahtzugaben auseinander und schließlich an der eben
genähten Kante falten (rechte Seiten nach außen) und wieder bügeln, so habt ihr schonmal die Form, die das ganze später
haben soll.
Jetzt steckt ihr die Schließe mit den Ösen durch die entstandenen Löcher, das Metallteil der Schließe ist zwischen dem
Oberstoff und dem Futter eingeschlossen. Dann tauscht ihr den Fuß der Nähmaschine gegen einen Reißverschlussfuß und
näht damit direkt an der Kante der Schließe entlang, und zwar durch Oberstoff und Futterstoff. So sitzt die Schließe
schonmal und verrutscht auch später nicht mehr. Bei dieser Naht empfiehlt es sich Anfang und Ende nicht durch hin- und
hernähen zu sichern (das sieht man ja von außen!) sondern die Fadenenden etwas länger stehen zu lassen, dann mit einer
Stecknadel nach innen durchzuziehen und miteinander verknoten. So hab ich das auch bei den Nähten links und rechts
neben den Stäben gemacht.
Nun kommt das "Vorne" Teil an das "Vorne Mitte" Teil genäht. Erstmal machen wir die Oberlagen, also den Jacquard.
Dazu die beiden Paneele genau an den angemalten Linien aneinanderstecken, Achtung! sie sollen oben und unten etwa
gleich lang abschließen, sonst paßt das am Ende nicht. Zusammennähen, die Futterstoffteile genauso zusammennähen. Nun
beide Lagen bügeln. Erstmal wieder die Naht platt, dann die Nahtzugaben auseinander, so wie der Stoff später liegen wird.
Jetzt versäubert ihr die Nahtzugaben, dazu einen engen Zickzackstich etwa 1 cm neben der Naht machen (nur durch die
Nahtzugabe nähen!), den überschüssigen Stoff wegschneiden. Jetzt klappt ihr beide Teile (Jacquard und Jeans) wieder
zusammen und steckt sie mal aneinander, dabei werdet ihr merken ob die Nähte aufeinanderliegen (aus irgendwelchen
unerfindlichen Gründen schafft es der Jeansstoff manchmal breiter als der Jacquard zu sein, dann muß die Form des
Jeanspaneels entsprechend des Jacquardteils korrigiert werden, sonst verziehen sich nämlich auch alle anderen, später
angenähten Teile!). Nun von außen etwa 1 cm links und rechts von der Naht die beiden Stofflagen zusammenstecken. Das
wird der Tunnel für den Stab. Dieser Tunnel folgt in seinem Verlauf genau der Mittelnaht, das sieht manchmal etwas
gebogen aus, aber keine Angst, die Spiralstäbe können sich so biegen. Hier näht ihr also einmal links, einmal rechts von der
Mittelnaht runter (diese Naht am besten mit der Außenseite des Korsetts nach oben machen, dann wird das ordentlicher).
Dabei ist es wichtig, daß der Tunnel breit genug für den Stab ist und daß die Nähte ordentlich aussehen. Ich hab den Fuß
der Nähmaschine als Abstandhalter verwendet, d.h. die Kante des Fußes geht immer genau entlang der Mittelnaht, so
werden die Nähte links und rechts ordentlich und der Tunnel breit genug (andere Maschinen haben andere Füße, probiert
es aus!). Wie schon erwähnt hab ich die Nahtenden durch Verknoten und nicht durch Hin- und Hernähen gesichert.
Genauso macht man dann auch die Nähte an allen anderen Paneelen, bis man sämtliche Teile einer Seite zusammengenäht
hat. Dabei, wie schon gesagt, drauf achten, daß die Form von Jeans- und Jacquardteilen gleich ist und die Nähte
aufeinanderliegen. Bei den Nähten die etwas mehr gebogen sind kann es manchmal passieren, daß sich die Nahtzugaben
nicht platt hinbügeln lassen, dann müßt ihr einen kleinen Schnitt in die Nahtzugabe machen, senkrecht zur Naht, daß sie sich aufschieben kann, allerdings auch diesen Schnitt versäubern!
Wenn ihr bei den letzten Teilen, also bei "Hinten Mitte" angekommen seid, dann geht's hier weiter. Bei dem Jeansteil wird an der Kante die später die Schnürung wird, komplett die Nahtzugabe weggeschnitten. Da klappt ihr nun die Nahtzugabe des
Jacquardteils drum (Bügeln! und darauf achten, daß das eine gerade Kante wird!). Dann macht ihr eine Naht die parallel zur
Abschlußkante, aber etwa 2 cm daneben ist. In diesen Streifen werden später die Ösen genietet. Eventuell könnt ihr den
Streifen auch noch durch einen Streifen Lack oder Vlieseline (zwischen den Stofflagen) verstärken, es geht nur darum, daß
die Ösen später gut was zum drin Halten haben.
Soweit die rechte Seite. Die Linke wird praktisch genauso, nur daß der Teil der Schließe ja hier anders ist. Ihr näht also
erstmal Futter und Jacquard an der Kante die die Schließe einschließt, zusammen, dann bügeln, und zwar so hinbügeln wie
es später sein soll. Nun wieder aufklappen und den obersten Pilz (= pilzförmiges Hakenteil) mit Kreide bemalen, dann die
Schließe vorsichtig in die richtige Position zirkeln und auf die linke Seite der Oberlage Stoff drücken. So habt ihr die
Markierung für den ersten Pilz. Hier stecht ihr nun mit einem sehr spitzen Gegenstand (Lederpiekser, Pinzette...) durch, es
sollen sich die Fasern des Gewebes auseinanderschieben, das Loch mit einem Bleistift o.ä. weiten und den Pilz
durchschieben. Die Fasern werden sich jetzt wieder zusammenziehen und es entsteht kein Loch, welches das Gewebe
unnötig schwächen würde. Nun könnt ihr erkennen wo sich die andern Pilze durch den Stoff drücken und dort ebenfalls
Löcher machen. Zum Schluß habt ihr die ganze Schließe anhand der Pilze positioniert und könnt die beiden Stofflagen
wieder zusammenklappen (die Nahtzugaben befinden sich natürlich hinter der Schließe) und eine Naht eng an der Schließe
entlang machen, wieder mit dem Reißverschlussfuß.
Wenn ihr nun also beide Seiten soweit gearbeitet habt, daß keine Stoffteile mehr übrig sind, dann werden die Ober- und
Unterkanten versäubert. Dazu müßt ihr erstmal die Form bestimmen. Das geht am besten mit dem Probeteil. Also die
Vorderschließe zuhaken, das Korsett auf den Boden legen und die Form der oberen und unteren Abschlüsse anhand des
Probeteils aufmalen. Hierbei gibt es folgendes Problem: das Korsett läßt sich ja nicht flach auf dem Boden ausbreiten, ihr
könnt nur entweder Oberkante oder Unterkante flach ausbreiten. Ihr breitet also eine Kante aus, genauso das Probeteil,
drauflegen und die Kante nachmalen, dann genauso mit der anderen Kante verfahren. Wenn ihr eine Form habt dann haltet
euch das Korsett mal an den Körper und überprüft ob euch die Form gefällt. Nun erstmal bei einem (!) Teil entlang der
aufgemalten Linien abschneiden, dieses Teil dann nochmal zum Korrigieren der Form des anderen verwenden, es ist nämlich
sehr wichtig, daß beide Teile die selbe Form haben.
Und jetzt schiebt ihr die Stäbe in die Tunnel. Da bleiben sie auch ab jetzt. Vorher stören die bloß beim Nähen. Noch was zur Länge der Stäbe: sie müssen natürlich so kurz sein, daß man die Schrägbänder zur Einfassung noch annähen kann aber auch nicht so kurz dass der Stoff sich zusammenschieben kann. Wenn ihr fertig abgelängte Stäbe kauft, solltt ihr diese Längen auch am Korsett einahlten.

Jetzt macht ihr Schrägbänder aus Jacquard (eigentlich heißen die Dinger Schrägbander, weil bei soeinem Band der
Fadenverlauf schräg, also diagonal auf dem Band entlang läuft. Um es ganz richtig zu machen müßte man die
Jacquardbänder nun auch schräg zum Fadenverlauf ausschneiden, das braucht allerdings eine Menge Material). Dazu die Länge der Ober- bzw. Unterkante ausmessen und einen Streifen Jacquard mit dieser
Länge (plus Nahtzugabe) und einer Breite von etwa 6 cm zurechtschneiden. Diesen Streifen entlang einer Kante etwa 1 cm
umbügeln. Dann wieder auffalten und die Kante entlang der Kante des Korsetts feststecken. Dann kann nämlich hier genäht
werden, dann wird die gebügelte Linie wieder hochgefaltet und man sieht keine Naht!
Der Rest des Schrägbandes wird auf die Innenseite des Korsetts umgefaltet und festgesteckt. Am Anfang und Ende müßt
ihr aufpassen, daß eine schöne Ecke entsteht. Jetzt wird von außen eine ordentliche Naht entlang des Schrägbandes
gemacht (dann hat man außen doch eine Naht, aber halt nur eine), damit ist dann die ganze Kante eingefaßt. Zum Schluß
noch die überstehende Menge Schrägband mit Zickzack versäubern und abschneiden. Tip: Falls eure beiden Korsetthälfe
doch nicht so ganz genau gleich in Höhe/Form sind kann man auch mit dem Schrägband noch etwas tricksen.
So, nun müßt ihr noch die Ösen einschlagen. Wie das geht steht auf der Packungsbeilage. Liebe Variozangenbesitzer: Die 5
mm Ösen bringen kein Lochwerkzeug für die Zange mit, ihr müßt entweder Löcher mit dem Hammer schlagen oder das 4
mm Werkzeug der Zange verwenden und die Löcher mit einem Stift etwas ausleiern, das geht auch. Wie viele Ösen ihr
verwendet hängt davon ab wie hoch euer Korsett ist und wie eng ihr die Ösen setzt. Tendenziell würde ich sagen, setzt sie
so eng wie möglich, bei mir sind's auf jeder Seite 14 Ösen mit einem Abstand von 4-5 mm zwischen den Ösen. Denkt
daran, daß die Ösen auf beiden Seiten genau gegenüber sein müssen, sonst wird's schief beim Schnüren.
Fehlt noch die Unterplanchette. Da wird praktisch die Metallplanchette mit Jacquard bezogen. Also ein ausreichend großes Stück Jacquard falten, mit der linken Seite nach außen. Die Länge der Planchette drauf markieren und an den Enden einen
Zickzack nähen, nun umstülpen, bügeln, die Planchette reinschieben, mit dem Reißverschlussfuß eine Naht eng daran
machen und die letzte Kante wieder mit Zickzack versäubern. Angenäht wird die Unterplanchette von Hand. Nämlich so,
daß sie nur durch die innerste Stofflage genäht wird und das ganze von außen unsichtbar ist. Angenäht wird die Unterplanchette nur an ein Vorderteil, sonst hat man ja nix von der Schließe. Also so positionieren, daß die Unterplanchette genau mittig unter der Vorderschließe ist und dann nur an die linke Seite (die mit den Pilzen) nähen.
Jetzt ist das Korsett fertig. Darauf erstmal ein Glas Sekt! Jetzt müßt ihr nur noch die Bänder einfädeln. Das geht so: Ihr beginnt von oben, fädelt die Bänder kreuzweise durch die Ösen bis zu der Stelle die die engste sein soll (Taille), hier kommt das Band aus der Öse, geht nicht zur anderen Seite, sondern gleich wieder in die nächste Öse auf der selben Seite, darunter wird normal weitergefädelt, am Ende die Bänder verknoten. Jetzt könnt ihr nämlich die Bänder an der einen "ausgelassenen" Öse ziehen und strafft so die Schnürung vom engsten Punkt aus, das ist sehr viel einfacher und effektiver als wenn ihr in einem durch geschnürt hättet.
Variationen
- Erstmal: Bitte verwendet keine Plastikstäbe (Miederband, Kabelbinder...) für das Korsett. Ihr tut euch damit keinen Gefallen. Erstmal biegen sich diese Plastikstäbe nicht seitlich, können also nur in absolut gerade Tunnel gefädelt
werden, zum andern sind sie nicht dauerelastisch, d.h. euer Korsett wird irgendwann an einer Stelle (vermutlich der Taille) einknicken und diesen Knick bekommt ihr nie wieder raus. Da müßtet ihr dann doch irgendwann richtige
Spiralstäbe einziehen. Dann könnt ihr das auch gleich machen, sooo teuer sind die Dinger nun wirklich nicht! Was die soliden Metallstäbe angeht: die biegen sich auch nicht seitlich, außerdem sind sie sehr fest, das ist unangenehmer zu
tragen. Ihr könnt die vorderen und hinteren Stäbe durch solides Metall ersetzen, aber nicht die Seitenstäbe! Und warum überhaupt? Die Spiralstäbe sind das beste was ihr hier verwenden könnt.
- Material: als Futter sollte ein fester, hautsympathischer Stoff verwendet werden, Jeans ist ideal, festes Baumwollgewebe
auch, Cord geht nicht (da habt ihr lauter Riffelabdrücke!). Für das Obermaterial könnt ihr eine ganze Menge verwenden:
Satin, Lack (macht nicht gleich das erste Korsett aus Lack! Beim ersten Mal muß man eventuell doch mal was auftrennen und neu nähen, das ist bei Lack höchst problematisch), Samt, Baumwollgewebe... bloß nichts elastisches! Oder ihr nehmt einen schlichten Stoff und packt noch eine
Lage Spitze drüber.
- Die Höhe des Korsetts kann natürlich auch verändert werden, das hab ich allerdings hier noch nicht berücksichtigt. Außerdem hat uns ja Lacrima so eine gute Anleitung zur Veränderung des Schnitts geschrieben, da solltet ihr das schon hinkriegen.
- Anstatt der Vorderschließe könnt ihr auch eine zweite Schnürung vorne machen, oder ihr arbeitet es als ein Teil, bedenkt aber bitte, daß eine Vorderschließe sehr komfortabel ist da ihr nicht jedes mal die Schnürung ausfädeln müßt.
- Zum Thema Stabilität noch zwei Hinweise von Chiara:
Erstmal ist eine Unterplanchette nicht unbedingt erforderlich. Die Schließe ist ja selber schon aus Metall, die gibt genug Halt. Falls es euch also nicht stört, daß dann vorne ein winziger Spalt offen bleibt, laßt die Planchette einfach weg.
Zum anderen kriegt der Rücken des Korsetts mehr Halt wenn ihr links und rechts neben der Schnürung noch Tunnel für Stäbe einbaut. Es soll sich dann auch besser schnüren lassen, hat man mir (=Soda) gesagt...
- An Verzierungen erträgt das Korsett alles was euch lieb ist: Spitzenkanten, aushakbare Strapse, Kettchen an der
Unterkante, Maraboufedern...
- Ich bin mir darüber im Klaren, daß der Schnitt um einiges leichter wird wenn man Oberstoff und Futter wie einen Stoff
behandelt und von innen Tunnel für die Stäbe aufnäht. Ich fand allerdings
diesen Schnitt gut weil das Korsett so auch von innen schön aussieht (als wenn das jemals wer sehen würde...). Hierzu gibt es auch noch einen Anleitung wie man die Paneele anders (einfacher) zusammennähen kann.
Empfehlung
Dieses Korsett ist mit Abstand das schwierigste was wir auf der Seite haben! Um das vernünftig zu nähen braucht man
schon eine Menge Erfahrung, es tauchen nämlich garantiert Probleme auf die ich hier nicht berücksichtig habe. Also nix für
Leute die erst seit einem halben Jahr nähen. Und, weil ich das jetzt schon mehrfach gehört habe, es gilt auch nicht, daß ihr das Korsett ja sooooo gerne haben würdet. Wenn es denn nämlich schief geht, dann seid ihr bloß gefrustet, und das muß doch nicht sein. Näht lieber erstmal was einfacheres, das Korsett läuft nicht weg. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude! ;)
Musiktipp
Soda empfiehlt was von Joy Division, auch wenn Natron meint, daß das gar nicht zuim Korsett passt. Wie wäre es mit "Love will tear us apart" das kann ich manchmal den ganzen Tag summen.
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