Spitzensonnenschirm



Schirm beziehen

Autor: Lacuna
Schwierigkeit: 2 von 4
7 Fotos dazu

Als ich noch ganz klein war, hat meine Ur-Oma mir ihren Sonnenschirm gezeigt. Der war aus weißer, ganz weicher Spitze mit einem silbernen Griff. Auf dem Griff waren soooo schöne Schnörkel im Jugendstil ...
Leider ist der irgendwie verloren gegangen und ist nie wieder aufgetaucht, und ich war untröstlich.
Ich musste einfach irgendwann so einen Sonnenschirm haben, auch wenn er leider keinen silbernen Jugendstilgriff hat. Schön kitschig ist er trotzdem :) Ich hab mir mit diesem Schirm quasi einen Kindertraum erfĂŒllt.



Material
Also wenn man das nun so macht wie ich das gemacht habe, dann braucht man: Wichtig: bei anderen Schirmen gibt's auch andere Maße!!!

Preis




So, erst mal ein kleines ErklĂ€rungsbildchen, das diese Anleitung hoffentlich ein bisschen verstĂ€ndlicher machen wird (ist euch eigentlich klar wie ĂŒberaus dĂ€mlich die Worte fĂŒr die Einzelteile eines Schirms sind?):

Nomenklatur

Anleitung

Ja, und so hab ich das dann gemacht:
Zuerst habe ich die von mir im Alter von 9 Jahren völlig verhunzte Schirmbespannung abgemacht.
Die Bespannung war nur mit je zwei Stichen pro Speiche an dem Gestell festgenĂ€ht (die kleinen HĂŒlsen, die zum Schutz ĂŒber den Enden der Speichen stecken, hab ich in einem TĂŒtchen in mein NĂ€hkĂ€stchen getan, damit ich sie nicht verlier). Außerdem war die Bespannung natĂŒrlich noch oben unter der Holzspitze festgemacht. Hierbei ergab sich dann das erste Problem:

Es gibt ja Schirme wo man die Schirmspitze abschrauben kann, das ging bei meinem aber nicht. Darum kam hier die Rasierklinge zum Einsatz: Ganz vorsichtig habe ich die Bespannung oben ganz nah an der Schirmspitze abgeschnitten. Dabei musste man Folgendes beachten: Unter der Bespannung ist oben bei der Schirmspitze noch ein kleiner Stoffkreis, ca. 10 cm Durchmesser. Der musste dranbleiben, denn an den hab ich spÀter die Spitze angenÀht.

So, jetzt hatte ich also ein ziemlich gefĂ€hrliches Drahtding, das irgendwie zum Aufspießen aller Menschen im Umkreis von etwa 1 Meter einlud. Das habe ich dann nicht gemacht (auch wenn es doch recht verlockend war) sondern habe das Ding zugemacht und in die Ecke gestellt.

Jetzt habe ich die Spitze ausgemessen. Dazu muss ich noch was sagen:
Eigentlich hatte ich vor, die Spitzenbespannung in Bahnen zu machen, so Àhnlich wie eine Art Tellerrock. Aber als ich dann feststellte dass ich genug Spitze hatte um direkt einen Kreis auszuschneiden, habe ich mir das mit den Bahnen gespart.
Bei machen Schirmen kann das aber durchaus wichtig sein. Schaut euch dazu mal die Anleitung von Vampirfee an.
Ich habe also aus der Spitzengardine einen Kreis mit einem Meter Durchmesser ausgeschnitten und den auf ein Achtel zusammengelegt (so wie man frĂŒher im Kindergarten immer kleine Muster aus Papierkreisen ausgeschnitten hat :)) und oben die Spitze auf nicht mehr als einem cm abgeschnitten.
Das sah dann ungefÀhr so aus:

Spitze abschneiden

Danach habe ich den Kreis aufgeklappt und dieses Loch von Hand gesÀumt *au* <-- erster Einsatz des Fingerhutes.
*Schirm aus der Ecke hol*
Ich habe dann den Spitzenkreis an dem kleinen Stoffkreis unterhalb der Schirmspitze festgenĂ€ht (sehr fest weil da ja Spannung draufkommt), und zwar habe ich die Spitze bĂŒndig an die Schirmspitze genĂ€ht, damit es auf den ersten Blick so aussieht als ob die unter der Schirmspitze verschwindet. Dabei war der komische kleine Stoffkreis natĂŒrlich unter der Spitze, denn drĂŒber hĂ€tte ja komisch ausgesehen.

Danach habe ich außen an dem Spitzenkreis per Hand einen Rollsaum angenĂ€ht, also den Stoff ca. einen halben cm eingerollt und mit der Nadel um die Stoffrolle rumgenĂ€ht. Das dauerte dann so seine paar Stunden (wie sich die Mathematiker unter euch wahrscheinlich inzwischen wissbegierigerweise ausgerechnet haben, hat der Schirm einen Umfang von etwa 3 Metern). Nach 3 Metern Rollsaum habe ich das Spitzenband auf 3 Meter gekrĂ€uselt und auch per Hand dran genĂ€ht <-- mehrfacher Einsatz des Fingerhutes.

Jetzt habe ich noch die HĂŒlse auf die Naht zwischen Spitze und Spitzenband genĂ€ht (unter das Spitzenband versteht sich) und auf die Enden der Speichen gesteckt. Die Speichen bogen sich jetzt natĂŒrlich in alle Himmelsrichtungen, also habe ich sie unter enormem Kraftaufwand richtig gebogen (lacht nicht, das war es wirklich) und mit je zwei Stichen (einen etwas weiter oben und einen etwas weiter unten) an der Spitze festgenĂ€ht.

Dann habe ich den Schirm zugemacht und ungefÀhr 5 cm unter der Naht zwischen Spitze und Spitzenband das Satinband mit einem Ende aufgenÀht. Auf das Ende kam das Auge, auf das andere Ende kam das HÀkchen und so kann man den Schirm jetzt auch schön zumachen.

An sich war der Schirm jetzt fertig, nur ging er jetzt nicht mehr ganz auf (fragt mich nicht wieso). Also habe ich dann einfach ca. 15 cm unter der Schirmspitze durch den Stiel und den Schieber ein Loch gebohrt, an eine der Speichen ein aus weißem Stopfgarn geflochtenes Zöpfchen gebunden, an das Zöpfchen einen abgesĂ€gten Nagel gebunden und den Nagel dann durch das Loch in Schieber und Stiel gesteckt. Jetzt muss ich zwar immer diesen Nagel durch das Loch stecken, aber da der ja an dem Zöpfchen hĂ€ngt geht er nicht verloren und man sieht es nicht.



Variationen



Der Senf am Schluss
Es ist ja nun kein alltĂ€gliches Accessoire. Es gibt die unterschiedlichsten Reaktionen, angefangen von kleinen MĂ€dchen die mit offenem Mund den Schirm anstarren und in Prinzessinnentraumwelten entschweben ĂŒber etwas grĂ¶ĂŸere MĂ€dchen mit AchselwĂ€rmertaschen die bösen Blickes ausweichen bis hin zu alten Omas "Ooooh, so ein schöner Schirm! Wo gibt's sowas?" - "Ă„Ă€hm .... den habe ich selbst gemacht." - "Achso. Ja. Hm. (Pause) Ist das ne Gardine?" die einem dann das Herz erfreuen.





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