Das Multitalent
Ihr seht hier einen breiten Gürtel der auf Hüfte getragen wird. Klingt langweilig? Weit gefehlt! Der Hüftgürtel hat nur Vorteile! Er ist ganz einfach zu nähen, er ist unglaublich vielseitig (nein, eigentlich hat er nur zwei Seiten... ihr wisst schon was gemeint ist ;)) und variabel, er passt jedem, geht zu Röcken, Hosen und Kleidern und ist ein schönes Highlight im Outfit. Hat euch das überzeugt? Schaut euch die Anleitung für alles weitere an.
Material
- Stoff, etwa 90 x 60, es gehen auch vier einzelne Stücke etwa 50 x 20, wenn ihr Stoff dafür kauft reicht in der Regel ein halber Meter
- evtl Bügeleinlage, genausoviel wie der Stoff der damit verstärkt werden soll
- Bändchen (zB Satinband) in bevorzugter Breite, etwa 80 cm lang oder länger wenn ihr die Bänder noch lang runterhängen lassen wollt
Preis
Das kann man wie gesagt gut aus Resten machen, ansonsten kostet ein halber Meter Stoff und ein Satinband auch nicht die Welt. Ein preiswertes Vergnügen also.
Anleitung
So, da brauchen wir wohl erstmal einen Schnitt. Hier seht ihr mein Schnittmuster in Originalgröße zum Ausdrucken. Damit ihr überprüfen könnt ob der Ausdruck die richtige Größe hat habe ich ein Quadrat eingemalt, das später 10 x 10 cm groß sein soll, dann stimmt auch die restliche Größe. Der Schnitt zeigt ein Viertel des ganzen Gürtels, ihr solltet also zwei solche Teile zusammenkleben, dann haben wir eine Hälfte, die lässt sich mit wenig Abfall zuschneiden. Wer mag kann natürlich auch vier solche Teile zusammenkleben und den Gürtel komplett zuschneiden. Das ist ganz euch und der Größe eures Stoffes überlassen.
Die Größe ist weitestgehend eine Einheitsgröße. Der Gürtel ist etwa 84 cm lang und 11 cm hoch. Durch die Bändchen kann man die Länge etwas variieren.
Ein wenig kann man den Schnitt vergrößern und verkleinern wenn man ihr einfach verlängert oder kürzt, irgendwann stößt diese Methode aber auch an ihre Grenzen, dann müsst ihr den Kantenverlauf auch ändern (dh der Gürtel ist dann anders geschwungen).
So, jetzt haben wir also den Schnitt. Da der Gürtel doppelt gearbeitet wird (so kann man ihn auch wenden und hat zwei Gürtel zum Preis von einem) brauchen wir alle Teile zwei mal (wenn ihr das Schnittmuster für eine Hälfte habt dann schneidet ihr vier Hälften zu, das ist klar, oder?). Denkt daran, an allen Kanten Nahtzugaben einzuplanen wenn ihr ausschneidet.
Hier kann man jetzt schon viel mit der Auswahl des Stoffes machen. Ihr könnt die beiden Seiten unterschiedlich farbig gestalten oder verschiedene Materialien verwenden. Wenn ihr dünnen Stoff wie zB Satin verwenden wollt dann ist jetzt der Zeitpunkt an dem die Bügeleinlage ins Spiel kommt. Das ist, um das mal eben zu erklären, ein dünnes Gewebe welches auf einer Seite mit einer Art Klebstoff beschichtet ist und durch Hitze beim Bügeln auf die Rückseite des Stoffes geklebt wird und diesen dadurch stabiler macht. Es gibt sowas in verschiedenen Stärken und Varianten, lasst euch im Geschäft beraten.
So, nehmen wir an wir haben jetzt vier Teile die jeweils der Hälfte des Gürtels entsprechen. Jeweils zwei werden jetzt an der schmalen Kante zusammengenäht, so dass wir danach zwei längere Teile haben. Die Naht wird gleich noch gegen Ausfransen versäubert. Wer mag kann die Nahtzugabe noch zur Seite umklappen (bügeln!) und nochmal festnähen.
Dann legen (und stecken) wir die beiden Teile mit den schönen Seiten (die später außen sein sollen) aufeinander. Achtet darauf, dass die Mittelnähte die ihr eben gemacht habt aufeinander liegen. Nun werden die langen Kanten zusammengenäht, nicht jedoch die kurzen Seiten, die bleiben offen. Versäubert auch hier wieder die Nahtzugaben. Dann wird der Schlauch gewendet und erstmal gebügelt. Sieht doch schon halbwegs wie ein Gürtel aus, oder?
An den schmalen Seiten versäubert ihr jetzt erstmal die Kanten (Einzeln! Näht nicht die Öffnung zu!) und faltet sie dann etwa 1 oder 2 cm nach innen um, so daß die Nahtzugaben zwischen den Stofflagen liegen. Fixiert das mit Stecknadeln. Jetzt kommen die Satinbändchen oder was immer ihr verwendet ins Spiel. Schneidet zwei Stücken mit etwa 40 cm Länge zu und steckt sie mittig in die Nähte dazu. Jetzt näht ihr einmal komplett von außen an allen Kanten entlang, damit näht ihr auch die Öffnungen zu und die Bänder fest. Außerdem gibt das dem Gürtel eine bessere Form wenn die langen Kanten auch abgesteppt werden, gerade bei weichen Stoffen. Wer den Bändern nicht traut kann sie nochmal extra weiter innen festnähen. Mit diesen sichtbaren Nähten kann man auch wieder schöne kontrastfarbige Effekte setzen.
Jetzt könnt ihr noch die Enden der Bänder gegen Ausfransen sichern (Syntetik kann man mit dem Feuerzeug anschmurgeln, ansonsten könnt ihr die Kante umklappen und festnähen oder ihr macht einfach einen Knoten) und schon ist der Gürtel fertig. Das ging schnell, oder?
Variationen
- Ihr könnt euch hier völlig mit verschiedenen Stoffen, Farben und Mustern austoben. Es eignen sich alle eher festen, nicht elastischen Stoffe. Dünne Stoffe verstärkt ihr mit Bügeleinlage oder nehmt sie zusammen mit einem festen Stoff. Elastische Stoffe könnt ihr auch mit einem unelastischen Stoff zusammen verarbeiten.
- Vor dem Zusammennähen der Teile kann man diese auch noch sehr gut besticken, bemalen oder sonstwie verzieren.
- Die Bänder könnt ihr auch anders anbringen, dazu braucht ihr ein langes einzelnes Band, etwa 60 cm länger als der Gürtel. Das näht ihr wenn der Gürtel fertig ist von außen mittig auf halber Höhe auf. Die Enden stehen dann an den Kanten noch ein Stück über und können ganz normal geknotet werden.
- Die Bänder könnt ihr noch mit Perlen, Federn, Quasten oder was immer euch in den Sinn kommt verzieren. Oder ihr näht auf jeder Seite zwei Bänder an. Wer sich die Fummelarbeit antun möchte, kann die Bänder auch aus dem Stoff machen aus dem der Gürtel ist.
- Wenn man den Gürtel mit dünnem Volumenvlies oä verstärkt kann man ihn auch wunderbar absteppen.
- An die Kanten könnt ihr noch Spitze oder schöne Borte nähen oder sie mit Schrägband einfassen.
- Wenn ihr die Bänder länger macht könnt ihr sie nochmal komplett rumwickeln und auf der anderen Seite verknoten, auch ein schöner Effekt.
- Statt Bändern kann man auch eine kleine Schnürung machen oder einen Posamentverschluß.
- Die Ecken des Gürtels könnt ihr auch ganz einfach abrunden falls euch die Form besser gefällt.
- Die Öffnung kann man vorne, hinten oder seitlich tragen.
Ihr seht, es ist ein unglaublich vielseitiges Stück was sich auf jeden Stil anpassen lässt. Weil es eine variable Einheitsgröße ist eignet es sich auch ganz toll als schnell gemachtes Geschenk für Grufties und Nicht-Grufties jeder Couleur.
Empfehlung
Der Gürtel ist nicht nur sehr vielseitig, er ist auch sehr einfach zu nähen. Geht auch prima ohne Nähmaschine und eignet sich bestens für Nähanfänger, sogar als allererstes Stück.
Musiktipp
Natron empfiehlt: Zur Zeit höre ich oft das "The Mind is a terrible Thing to taste"-Album von Ministry
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