Jeans- (Pseudo-) Korsage mit Rückenausschnitt aus Hosenbeinen
von Helen
Material
- Ich hab einfach eine alte Jeans genommen, man kann aber auch irgendeinen anderen festen Stoff oder meinetwegen auch Kunstleder nehmen und sich die Teile dann irgendwie daraus zurechtschneiden (bei Jeansstoff spart man sich das Umsäumen, wenn man die Nähte einfach ausfranst wie ich, ist aber 'ne reichlich öde Arbeit).
- Um nachher das entsprechende Dings, in meinem Fall ein Peace-Zeichen, im Ausschnitt zu befestigen, braucht ihr Druckknöpfe, möglichst kleine, damit sie nicht drücken und das ganze ordentlich aussieht, oder Häckchen.
- Außerdem ein stabiler Reißverschluss mit möglichst kleinem Zipper, ein großer drückt nachher, der liegt dann nämlich direkt unterm Arm.
- Schere, Nadel bzw. Nähmaschine und stabilen Faden braucht ihr natürlich auch.
Preis
Wie viel das kostet, weiß ich nicht, aber Reißverschlüsse sind wohl ziemlich teuer. Bei uns zuhause lag glücklicherweise ne ganze Kiste Nähzeug rum und die Nähmaschine hat mir meine Oma geschenkt...
Benötigte Maße
Ich hab's ganz ohne gemacht. Hier hab ich aber meine Maße mal angegeben, damit ihr alles nachvollziehen könnt:
- Oberweite (81cm)
- Unterbrustweite (68cm)
- Die Breite dürft ihr euch aussuchen, je nachdem, wie tief der Ausschnitt vorne sein und bis wohin die Korsage unten gehen soll (vorne: 22cm, hinten: 19,5cm)
Anleitung
Zuerst werden von der Jeans oder irgendeiner anderen Hose die Beine abgeschnitten, wenn ihr denn eine Hose nehmt. Aus dem Rest lässt sich ein super Mini nähen oder ihr lasst die Hotpants einfach Hotpants bleiben. Dann geht's ans Auftrennen, das geht bei Jeans am besten mit roher Gewalt. Es werden aber nur die breiten äußeren Seitennähte aufgetrennt, nicht die inneren, die brauchen wir noch! Wer daraus sein Zeichen machen möchte, kann die äußeren Seitennähte auch rausschneiden und nachher weiterverarbeiten, das spart viel Näherei.
Jetzt habt ihr zwei längliche halbwegs viereckige Stücke Stoff. Aus dem einen wird das Vorderteil, aus dem anderen das Rückenteil. Wenn die Beine lang genug waren, kann man aus einem auch beides machen. Wir fangen mal mit dem Vorderteil an:
Das Rechteck, das ihr dafür braucht, sollte oben etwa so lang sein, dass es bis unter die Arme geht. (bei mir: 42x22cm)
Das, was früher mal die innere Seitennaht eurer Jeans (oder beliebiger andrer Hose) war, wird die Mitte der Korsage, vorne wie hinten. Ich habe das Hosenbein also einfach so weiterverarbeitet, wie es war, weil ich ziemlich zierlich bin. Ich denke, bis 75B funktioniert das wahrscheinlich genauso gut. Wer mit etwas mehr Oberweite gesegnet ist und eine größere Unterbrustweite hat, nimmt es am besten quer oder benutzt gleich richtigen Stoff und schneidet ihn passend zu, dann habt ihr keine störenden querliegenden Nähte.
Vergesst aber die Nahtzugaben nicht, sonst wird die Korsage am Ende knapper als geplant oder passt am Ende sogar nicht! Als aller erstes werden Ober- und Unterkante gesäumt, entweder richtig mit Umschlagen, oder mit einer einfachen Naht, wenn ihr die Ränder ausfransen wollt. Wenn ihr jetzt das Rechteck so an den Körper packt, wie es ungefähr nachher liegt, fällt euch ganz bestimmt auf, dass da irgendwas bei der Form nicht stimmt. Das lässt sich aber ganz leicht beseitigen, indem ihr den Stoff entlang von zwei Linien, die am unteren Rand direkt unter den Brüsten beginnen, umschlagt und so zwei Falten in den Stoff näht. Wie weit diese Falten nach oben gehen und wie breit sie sein müssen, hängt von der Oberweite der Trägerin und der Tiefe des gewünschten Ausschnitts ab. (Länge der Unterkante bei mir: 28cm) Und wer so sicher mit der Nähmaschine ist, dass seine Nähte grade werden (ich kann's immer noch nicht, es geht aber auch so), kann diese Nähte farbig machen, das streckt optisch. Jetzt kann man die seitlichen Ränder so zuschneiden, wie man sie braucht und im Prinzip ist das Vorderteil damit auch schon fertig.
Das Rückenteil bemesst ihr so, dass es sich problemlos mit dem Vorderteil zusammennähen lässt und noch ein Reißverschluss dazwischen passt. (bei mir: 39x19,5)
Beim Rückenteil sind Längsfalten normalerweise nicht erforderlich, deshalb könnt ihr beim zugeschnittenen Stück direkt die Ränder säumen und euch an den Ausschnitt machen. Damit der auch richtig schön rund und nicht eierig wird, nehmt ihr einen Zirkel mit einer möglichst weichen Miene (damit zeichnet's sich besser auf Stoff) und legt zum Vorzeichen den Stoff auf links auf einen Block Papier, sonst rutscht euch die Nadel vom Zirkel dauernd ab, und zeichnet den Kreis auf die Innenseite vom Rückenteil. Wenn die Linien nur schwer zu erkennen sind, zeichnet mit Tinte oder irgendetwas anderem, was sich wieder rauswaschen lässt, nach. Nahtzugaben braucht ihr hier ausnahmsweise mal keine, weil das Umnähen von runden Rändern bei so festen Stoffen wie Jeans sowieso unmöglich ist. (Wenn dieses Kunststück jemand doch schaffen sollte, bitte melden!) Der Kreis wird jetzt ausgeschnitten und gesäumt, und zwar möglichst nah am Rand, damit der Stoff nicht zu weit ausfranst, das ist nämlich bei runden Rändern auch nicht so einfach. Und jetzt kommt das richtig Besondere an dieser Korsage, das eingeknöpfte Zeichen nämlich:
Das wird entweder richtig aus Stoff genäht oder einfach aus den herausgeschnittenen Seitennähten der Jeans zusammengeschustert. Da muss man einfach die Teile so zusammen legen, wie man sie eben braucht, und mit ein paar Stichen verbinden. Dazu nehmt ihr am Besten die normale Nähnadel, bei der Nähmaschine besteht die Gefahr, dass die Nadel abbricht! Wenn ihr euch euer Zeichen selbst nähen wollt oder durch die Form des entsprechenden Symbols dazu gezwungen seit, vergesst nicht, dass ihr irgendwo die Druckknöpfe unterbringen müsst, und zwar so, dass sie keiner sieht! Von den zweiteiligen Druckknöpfen sollte der Teil an der Korsage befestigt werden, in den der andere reingedrückt wird, damit euch die Knöpfe nicht drücken, wenn ihr das Symbol mal zuhause lasst. Die Knöpfe- oder Häckchen, wenn euch das lieber ist- werden auf der Innenseite der Korsage dicht am Kreisrand und an der Außenseite des Symbols angenäht (Natürlich so, dass sie nachher auch zueinander passen *g*). So, jetzt sind die Einzelteile fertig. Jetzt braucht ihr bloß noch an der einen Seite einen Reißverschluss einzunähen und die andere zusammen nähen.
Es kann passieren, dass euer Rückenteil etwas schmaler (von oben nach unten) sein muss als euer Vorderteil. Das lässt sich aber ausgleichen, indem ihr am Vorderteil von den Längsnähten an die unteren Kanten umschlagt, wodurch der Rand schräg wird. Zu groß sollte der Unterschied aber nicht sein, sonst leidet die Stabilität der Konstruktion.
Ganz zum Schluss kommt die Arbeit, die von der ganzen Sache am uninteressantesten und langweiligsten ist, das Ausfransen nämlich: Da müsst ihr, wenn ihr schön plüschige Ränder wollt, vom Rand bis zu den Nähten die Querfäden herausziehen, und zwar jeden einzelnen, hübsch nacheinander. Wo sie festgenäht sind, schneidet ihr sie auf der Länge der anderen Fransen ab, dann wird's noch plüschiger. Achtet bei Jeansstoff darauf, wie herum ihr ihn nehmt, denn davon hängt ab, ob die Fransen blau und plüschig oder weiß und eher grade werden. Plüschige Fransen helfen übrigens auch, ungrade Nähte und dürftige Schneiderarbeit zu verstecken, darum hab ich bei meiner Korsage überhaupt erst damit angefangen.
Empfehlung
Wer eine größere Oberweite hat, dem sei gesagt, dass frau wegen des Ausschnittes keinen BH tragen sollte, den sieht man nämlich. Also näht am Besten Träger an und wenn das nicht reicht, müsst ihr das Vorderteil halt so nähen wie bei einer richtigen Korsage, also mit Stäbchen und so, diese hier hält nämlich nicht viel und wenig hält sie auch nur, wenn sie richtig gut passt. Eine Alternative wäre noch, einen halterlosen BH zu nehmen und ihn ins Vorderteil einzunähen, aber dazu muss man ihn zerschneiden und ich zerschneide nicht gerne meine teure Unterwäsche, aber das ist natürlich auch eine Möglichkeit. Wenn man an den BH auch noch Träger dranmachen kann, umso besser.
Variationen
Im Prinzip funktioniert 's mit jedem festen Stoff und mit jeder Hose, nur Stretch macht sich bei Korsagen ziemlich schlecht.
Richtig geil sieht's übrigens aus (find ich zumindest), wenn man über Jeansstoff Spitze (vorzugsweise schwarz) legt und festnäht.
Musiktipp
Ich hatte da grade wohl meinen Balladigen, also "Pick up the Bones" oder "Every women has a name" von Alice Cooper.
Zurück zu Ready Made