10 Fragen an Natron und Soda


Hier haben wir mal ein fiktives Interview mit uns zusammengestellt um euch etwas Einblick in unsere Arbeitsweise,
die Entstehung der Page und so weiter zu geben. Herr Ampersand, das ist unser erdachter Interviewer, trifft Natron und Soda bei einem Tässchen Tee und Baumkuchen.



Ampersand : Eure Seite, das Projekt Natron&Soda hat einen ansehnlichen Bekanntheitsgrad erreicht, seid ihr stolz?
Soda : Natürlich sind wir stolz auf unser Projekt. Wenn man bedenkt wie klein alles angefangen hat, haben wir es ganz schön weit gebracht.
Natron : Vor lauter Arbeit und weil man da so drinsteckt vergesse ich manchmal wie toll das Projekt eigentlich ist, wie viel wir damit schon erreicht haben. Dann muss ich mir das ganz explizit vor Augen führen, und dann bin ich auch stolz drauf.
Ampersand : Wie hat alles angefangen, wie seid ihr auf die Idee gekommen eine Webseite mit Anleitungen für Gruftiklamotten zu machen?
Soda : Angefangen hat es natürlich erstmal mit den Klamotten. Weil die Kleidung in den Geschäften oft zu teuer war, wollten wir unsere Trinki Sachen selber nähen. Im Internet fanden wir ein paar Anleitungen, allerdings alle auf englisch. Wir konnten damit schon was anfangen, haben zB das Duchess-Cape aber mehr oder weniger selber entworfen. Trotzdem blieb die Idee einer Webseite mit Nähanleitungen. Als Natron dann ihre HTML-Kenntnisse ausprobieren wollte, griffen wir darauf zurück. Dass sich jemals jemand dafür interessieren würde, nahmen wir allerdings nicht an. (lacht)
Natron : Die Anziehpuppe ist ein gutes Beispiel für das Prinzip nach dem die Seite funktioniert. Ich habe Spaß daran mit Flash zu arbeiten und ich liebe das Stylingspiel mit der Puppe. Also habe ich mich rangesetzt, teil aus Begeisterung für das fertige Spiel, teils des Lerneffektes wegen, ein größeres sinnvolles Projekt in Flash zu machen, und habe die Puppe programmiert. Soda hat die Zeichnungen gemacht, so ist es ein prima Gemeinschaftsprojekt geworden in das jeder seine Talente eingebracht hat. Auf der Page sind alles Dinge die uns begeistern, und die wir auf unsere eigene Art und Weise umgesetzt haben. Ich denke, dass das Herzblut was wir da reinstecken von unseren Besuchern auch anerkannt wird.
Ampersand : Habt ihr weitere Projekte in Planung? Wie geht es weiter mit der Seite? Was kann man für die Zukunft von euch erwarten?
Natron : Ja, wir haben noch viele Ideen die wir umsetzen wollen. Für die Anziehpuppe wird es in absehbarer Zeit ein Update geben. Dann überlegen wir zB mal eine kleine Video-Nähanleitung für eine Klamotte zu machen, um die Seite noch multimedialer zu gestalten. Weitere Projekte sind angedacht, wir haben so viele Ideen, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass wir irgendwann vor der Page stehen und sagen: "Und was jetzt?"
Soda : Wir sind uns darüber im Klaren, dass sich ein Projekt wie unseres immer weiter entwickeln muss. Das Forum, das wir 2002 hinzugefügt haben brachte uns zum Beispiel eine wertvolle Bereicherung und öffnete Natron & Soda für eine breite Masse an Usern, die zuvor nur mehr oder weniger passiv partizipieren konnten.
Unser Projekt wird 2006 fünf Jahre alt. Dafür haben wir ein paar Specials geplant auf die man sich schon freuen kann. Längerfristig ist es schwer zu sagen was passieren wird. Wir könnten uns vorstellen, dass es irgendwann vielleicht auch mal einen Natron & Soda Shop geben könnte. Das wäre eine logische Bereicherung und auch ein interessantes Thema für eine berufliche Selbstständigkeit. Wir haben allerdings noch keine konkreten Pläne.
Ampersand : Woher nehmt ihr die Ideen und Inspiration für so viele verschiedene Klamotten?
Natron : Oft kommt die Idee mit dem Stoff. Man siehtSoda irgendwo was und überlegt dann was man aus diesem oder jenem Material machen könnte. Oder man hat eine vage Vorstellung wie ein Outfit sein soll, mehr von der Wirkung her. Das wird dann in einem längeren Prozess konkretisiert, meistens machen wir so was am Telefon. (lacht) Ich sauge alle Eindrücke auf, auch Dinge die im ersten Augenblick eher bizarr oder unbrauchbar anmuten. Es ist sehr wichtig für mich, immer neuen Input zu haben. Daraus lässt sich dann filtern was man umsetzen möchte.
Soda : Inspiration ist überall. Wenn man seine Wahrnehmung entsprechend ausrichtet, dh mit offenen Augen und ohne vorschnelle Urteile durch die Welt geht, kann ein Bürogebäude genauso inspirieren wie ein Musikstück oder das Muster einer Kinderzimmertapete.
Ampersand : Ihr habt beide nichts in Richtung Schneiderin oder Modedesign gelernt, wie kommt es, dass ihr trotzdem auch aufwändige Projekte (ich denke da z.B. an Sodas pinkfarbenen Wintermantel) so prima umsetzt?
Soda : Als wir anfingen Kleidung zu nähen, sah das noch ganz anders aus. Wenn ich mir jetzt Kleidungsstücke anschaue die ich vor fünf Jahren genäht habe, dann entdecke ich überall krumme Nähte und Optimierungspotenzial. Damals war das aber gar nicht wichtig. Damals war es wichtig, überhaupt etwa selber gemacht zu haben. Der Erfolg der eigenen Arbeit motiviert einen so sehr, dass man immer neue Sachen näht und dabei ganz von alleine besser wird. Beim Nähen lernt man wirklich aus den eigenen Fehlern, man entdeckt, wie bestimmte Dinge besser umzusetzen sind und lernt Materialien und Verarbeitungstechniken kennen. Wichtig ist dabei eigentlich nur, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein und Dinge auszuprobieren, auch wenn man sich das vielleicht nicht sofort zugetraut hätte. Dann kommt das "Können" von ganz alleine. Übung macht den Meister. (lacht)
Natron : Das stimmt, es ist wirklich ganz allein die Übung. Das ist alles. Es hilft, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen zu haben, und Geduld. Und Mut. Aber das große Geheimnis, das ich zu Anfang immer vermutet hatte und das die Stümper von den Könnern trennt, das gibt es nicht.
Ampersand : Habt ihr Lieblingsschnitte oder Materialien? Was reizt euch besonders beim Entwerfen oder Nähen?
Natron : Mich reizt das Entwerfen mehr als das Umsetzen. Ich zeichne sehr viele Ideen auf und bringe sehr wenige Natrondavon bis zur Vollendung. Aber ich habe eine perverse Faszination an aufwändigen Riesenprojekten, ich muss mich selber immer stoppen nicht zu sehr overboard zu gehen. Ich habe immer Phasen in denen ich dieses oder jenes Material bevorzuge, im Moment ist es Satin, vorher waren es noch glatte Baumwollstoffe, ein andermal Lack. Ich glaube eine kleinster gemeinsamer Nenner für meine Entwürfe ist vielleicht eine gewisse Strenge, nichts zu Mädchenhaftes, Verspieltes.
Soda : Ich finde, dass Mode eine Kunstform ist. Durch das Entwerfen und Tragen eines Outfits kann man eine ganze Geschichte erzählen. Man stellt Facetten der eigenen Persönlichkeit heraus oder übernimmt eine selbstgewählte Rolle. Mit jedem Outfit eine andere. Das ist es, was mich am Entwerfen besonders reizt, dieses wundervolle, vergängliche Spiel mit Andeutungen, Bildern, Farben und Formen. Wenn man dann beim Nähen feststellt, dass die Klamotte tatsächlich so wird, wie man sie im Kopf visualisiert hat, dann ist das natürlich ein zusätzliches Hochgefühl.
Lieblingsschnitte und -materialien...hm. Ich habe ein paar "perfekte" Papierschnitte zuhause die mir genau passen und toll aussehen. Die verwende ich natürlich gerne. Ich mag es, wenn man sich durch ein Probestück oder mehrere Versuche an den "perfekten" Schnitt rantastet und dann am Ende ein ganz persönliches Schnittmuster hat. An Materialen benutze ich momentan gerne weiche, bequeme Stoffe. Baumwolle verarbeite ich am liebsten, die zickt nicht rum. (lacht)
Ampersand : Ihr studiert beide, habt nebenbei Studentenjobs und ein Privatleben. Wie schafft ihr es, da noch Zeit für ein so aufwändiges Projekt wie Natron & Soda zu finden? Was motiviert euch, damit immer weiter zu machen?
Natron : Das ist manchmal wirklich nicht so einfach. Die Uni hat ganz klar Vorrang vor dem Projekt, aber ich habe dann ein permanent schlechtes Gewissen wenn sich hier die Emails stapeln und ich nicht dazu komme irgendwas an der Seite zu machen. Ich denke es geht nur beides parallel zu fahren weil N&S uns enormen Spaß macht. Für mich ist es auch ein handwerklicher Ausgleich zu den eher intellektuellen Anforderungen des Studiums. Und natürlich motiviert einen das Feedback der User auch über anstrengende Phasen hinweg zu kommen. Weil wir sehen, dass das was wir machen ankommt.
Soda : Bei mir wechseln sich auch Phasen in denen ich nur nähen könnte mit Phasen in denen ich mehr mit der Uni beschäftigt bin ab. Natürlich macht es mehr Spaß Soda zu sein, als eine Magisterarbeit zu schreiben, aber ich versuche halt beides unter einen Hut zu bringen, auch wenn das nicht immer einfach ist.
Ampersand : Ihr lebt in getrennten Städten, Soda in Berlin, Natron in Hamburg. Ist es da nicht sehr schwierig gemeinsam an so einem Projekt zu arbeiten?
Soda : Eigentlich nicht. Wir kommunzieren dauernd per email, schicken Entwürfe hin und her und laden Sachen für den anderen auf unseren Webspace. Mit dem nötigen Equipment ist das gut umzusetzen. Darüberhinaus telefonieren wir wirklich ständig und ewig. Natron hat eine Voice-Flatrate, da ist das nicht so teuer, das ist super praktisch.
Kaffee Natron : Ich bin zu genau dem Zeitpunkt aus Berlin weggezogen als wir das Projekt gestartet haben. Wir haben also schon immer alles über die Entfernung hinweg abgewickelt. Es ist ein Online-Projekt, wir nutzen sowieso moderne Kommunikationsmedien, ob nun ein Häuserblock oder 300 Kilometer Luftlinie dazwischen liegen.
Ampersand : Was für Reaktionen habt ihr auf das Projekt bekommen? Euer Gästebuch quillt über vor Lob, aber waren auch negative Antworten dabei?
Natron : Es waren wirklich fast ausschließlich positive Reaktionen. Das wundert mich selbst. Ich hatte zu Beginn schon befürchtet, dass die Leute uns schräg anschauen weil wir ja nichts "richtiges" können. Aber sogar von professionell ausgebildeten Schneiderinnen haben wir Lob für das Projekt bekommen. Ich denke es freut die Leute auch, wenn jemand Initiative ergreift, etwas selber macht und dann noch mit anderen teilt. Wir hätten das ja nicht alles kostenlos machen müssen. Aber so eine Idee ist uns nie gekommen. Auch die Neider und Missgünstigen die der Erfolg zwangsläufig auf den Plan ruft sind sehr wenige. Ich glaube, dass das Projekt die Leute sehr schnell zum Mitmachen animiert und nicht diese "wir sind die Klamottengötter und ihr seid nichts"-Grenze entsteht. Dadurch, dass jeder die selbe Chance hat und wir nicht mehr gelten als jeder User, geht es sehr friedlich und familiär zu.
Soda : An wirklich negative Reaktionen auf unser Projekt kann ich mich gar nicht erinnern. Natürlich gibt es immer Leute die neidisch sind oder einfach alles doof finden, aber die sagen einem das meist nicht ins Gesicht. Es ist wirklich so, dass wir zu 99% positives Feedback bekommen, nicht nur im Gästebuch. Was uns besonders bewegt sind Fälle in denen Leute davon berichten, dass sie durch Natron&Soda zum Nähen gekommen sind und dies ihnen geholfen hat eine persönliche Krise, Essstörung oder ähnliches zu überwinden. Dass wir so viel Einfluss auf das Leben einzelner Personen haben ist ein wenig gespenstisch. Andererseits sind wir natürlich glücklich, dass unser Projekt einen solchen Wert haben kann.
Ampersand : Welche Bedeutung hat "Gothic" für das Projekt? Wärt ihr in einer anderen Szene auch so weit gekommen? Was verbindet ihr mit dem Begriff?
Soda : Gothic...ach ja. Wir haben ja sehr "gruftig" angefangen, mit Samtkleidern und so. Wir haben uns aber ziemlich schnell von diesem New Romantik Soda+NatronLook fortbewegt. Ich glaube, dass sich die ganze Definition von "Gothic" zur Zeit sehr stark wandelt. Vor ein paar Jahren hat man zB kaum Farben getragen. Auch der ganze Tüllrock-Korsett-Haarteile-Look ist in Deutschland noch ziemlich neu. Ich meine, dass man in der Gothicszene inzwischen sehr viele verschiedene Trends ausmachen kann. Ich finde das sehr spannend, denn dadurch eröffnen sich ja immer neue Möglichkeiten und die Szene selber wandelt sich. Insofern sind auch die seltsamen Ideen, die Natron & Soda manchmal haben durchaus noch "gothic".
Was mich an der Szene nach wie vor fasziniert, ist die Offenheit und Kreativität ihrer Mitglieder. Das hat uns natürlich bei unserem Projekt enorm weiter geholfen. Wer versuchen würde, Briefmarkensammler für Aquaristik zu begeistern hätte ganz andere Probleme. (lacht)
Natron : Unsere Anfänge liegen ganz klar in der Szene. Viel Input und Inspiration kommt daher. Obwohl ich mich auch weiter entwickelt habe fühle ich mich immer noch dort zuhause. Man ist kreativ und (in einem gewissen Rahmen) aufgeschlossen. Das alles hat sehr zum Gelingen des Projektes beigetragen.
Auf der anderen Seite ist es eine große Einschränkung wenn man wirklich nur Gothic-Klamotten entwerfen will. Das ist mir mittlerweile zu eng. Ich habe zu viele Ideen die eben nicht ins Schema passen und ich will die auch nicht künstlich "schwarzfärben". Ich sehe uns auch nicht als reines Gothic-Projekt, den Stempel wollten wir uns nie aufdrücken. Wir versuchen immer mit einer gewissen Selbstironie da ran zu gehen. Obwohl ich die Szene sehr mag sehe ich das alles auch sehr kritisch. Es ist wie mit einem guten Freund, den man schon lange kennt und trotz all seiner Macken mag.

Stand: Frühjahr 2006


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